Wie überlebt der Einzelhandel die Corona-Krise? – Bericht vom 2. ZUK Online Treffen

Die Corona-Krise betrifft jede Branche auf andere Weise. Am 20. Mai trafen sich sechs leidenschaftliche Betreiber*innen des Freiburger Einzelhandels mit uns vom ZUK Team um sich zur Situation auszutauschen. Dabei wurden nicht nur konkrete Tipps gesammelt für die kaufmännische Betriebsführung, sondern auch persönliche Einblicke geteilt und Fragen der Nachhaltigkeit und Regionalität diskutiert.

Zum Termin erschienen die unterschiedlichsten Akteur*innen aus der Freiburger Einzelhandels-Szene: Maria von der Kleiderei (Mode), Tobias von Waschbär (Naturmode & Bioprodukte), Nora von Knuddelkinder (Bio-Kindermode), Sebastian von GEA (Schuhe & Möbel), Wolfgang von Blendwerk (Fotografie) und Stefanie und Sabine vom Weltladen Herdern (Produkte aus fairem Handel).

Die Betriebe haben 1-28 Mitarbeiter*innen vorort und bestehen seit 1-33 Jahren. Manche haben kein Online-Geschäft, die meisten in geringen Maßen, ein Betreiber hat einen großen Versandhandel.

Einstiegsfrage an die Betreiber*innen:

Was begeistert dich besonders an der Arbeit im Einzelhandel?

  • Glückliche Kunden, Kundenfokus
  • Nachhaltige Produkte

Was hat sich mit der Corona-Krise für den Einzelhandel geändert?

Einige Betriebe haben auf Kurzarbeit umgestellt und auch die Öffnungszeiten gekürzt oder den Betrieb ganz pausiert. Erstaunlicherweise berichten die meisten Betreiber*innen, dass die Umsätze trotz Corona relativ stabil geblieben seien.

Jedoch musste eine Betreiberin den Laden zeitweise schließen und das senkte auch die Umsätze. Besonders bei Bekleidung für Erwachsene sind Umsatzeinbußen deutlich, vermutlich weil die Kund*innen sich teilweise scheuen, Teile anzuprobieren, und weil sie sich kürzer als üblich im Laden aufhalten.

Welche konkreten praktischen Tipps wurden in der Gruppe diskutiert?

  • Versandhandel und Online-Vertrieb nutzen: Während der Corona-Krise blieb das Online- und Versandgeschäft stabil. Das kann in Zukunft also eine wichtige Stütze sein.
  • Lieferdienst lohnt sich nur bei bestimmten Produkten: Manche Läden boten temporär kostenlose Fahrrad-Kurierdienste an. Bei Kleidung wurde das wenig genutzt, im Buchhandel jedoch sehr viel (Bericht Jos Fritz Buchhandlung).
  • Kiezkultur schafft Stammkundschaft: Gerade die kleinen Läden in nicht-zentralen Staddteilen hatten stabile Kundschaft. Die Altstadt-Läden war durch die Abhängigkeit zur Laufkundschaft stärker betroffen von Corona-Einbußen. Daher lohnt es sich die Kund*innen vorort anzusprechen und zu binden.
  • Leihen statt Kaufen als neues, stabiles Geschäftsmodell: Jüngere Generationen legen weniger Wert auf Besitz und unterstützen die Sharing Economy. Sogar Kleidung lässt sich im Abo nutzen, wie bei der Kleiderei von Maria. Die 120 Abonent*innen sicherten ihr 50% Umsatz in der schweren Corona-Zeit.
  • Mit Transparenz überzeugen, eigene Besonderheiten und Qualitäts-Standards hervorheben: Jeder Einzelhandel hat sein eigenes Profil, bietet eine besondere Auswahl, legt auf bestimmte Standards wert. Das sollte stärker kommuniziert werden. Ein Beispiel: Der Weltladen läd Vertreter*innen der FairHandels-Importeuren (FairFood, Regenwaldladen) ein und bringt sie direkt in Dialog mit Kund*innen. Generell sind Kund*innen zunehmend neugierig woher die Ware kommt und wie sie hergestellt wird. Gerade regionale Einzelhändler*innen haben hier häufig eine „weißere Weste“ und dürfen dies auch zeigen.
  • Den Faktor Regionalität hervorheben: Wer in lokalen Läden einkauft, unterstützt die lokale Wirtschaft. Das ist branchenintern bekannt, aber längst nicht bei allen Kund*innen. Hier darf auch öffentlich Kritik am Trend zum Online-Shopping bei Amazon & Co. betrieben werden.
  • Alle Mitarbeiter*innen über die eigenen Standards aufklären: Damit die Kund*innen jederzeit Rückfragen stellen können, lohnt es sich alle Mitarbeiter*innen zu Expert*innen zu machen. Tobias berichtet, dass bei Waschbär ein eigenes Nachhaltigkeitsteam regelmäßig interne Schulungen für die Mitarbeiter*innen anbietet.
  • An Stadtführungen und Schülerprojekten zu kritischem Konsum teilnehmen: Gerade in Freiburg gibt es viele zivile und schulische Initiativen für Aufklärung über Konsum. Ein Beispiel: https://www.kaufrausch-freiburg.de.
Themensammlung ZUK Online Einzelhandel
Die Gruppierung der Themen sowie Antworten am digitalen Whiteboard im ZUK Online Treffen © ZUK

Die Gruppe hat das Online Treffen vor allem zum persönlichen Austausch genutzt, um mehr über die Geschäftsrealität der Anderen zu erfahren. In der Themensammlung sind aber auch konkrete Fragen entstanden, z.B. wie mehr junge Ehrenamtliche gewonnen werden können (Weltladen), oder wie ein freiburgweiter geteilter Webshop aussehen könnte (Gabi Obi – freiburg.biz). Auch der Umsatzeinbruch bei Kleidung wurde näher beleuchtet, dazu konkrete Tipps siehe oben. Eine Frage stand jedoch besonders im Fokus der Diskussion: „Wie kann man den Kund*innen vermitteln, dass es auf die Regionalität ankommt?“ (Sebastian, GEA). Dazu wurden auch Tipps gesammelt und ein themenspezifischer Folgetermin vereinbart.

Was sind unsere nächsten Schritte?

  • Nicht aufgeben!
  • Mehr Akteur*innen einladen, weiterempfehlen.
  • Expert*innen einladen, z.B. die FairHandels Beraterin Birgit Lieber
  • Folgetermin: Am Mittwoch, 17. Juni, 18-20 Uhr findet das nächste Online Treffen statt (inkl. Pause zum Essen) – wie immer offen und kostenlos für alle Einzelhändler*innen. Es gibt anfangs Zeit für den persönlichen Austausch und dann eine Diskussion speziell zum Thema „Regionalität und Nachhaltigkeit im Einzelhandel„. Anmeldung bitte an Thomas per Mail.

Vielen Dank an alle Teilnehmer*innen und gutes Gelingen!
Thomas vom ZUK Team

ZUK Einzelhandel Logo

Wie überlebt die Gastronomie die Corona-Krise? – Bericht vom 1. ZUK Online Treffen

Am 13. Mai trafen sich sechs leidenschaftliche Gastronom*innen aus Freiburg mit uns vom ZUK Team um sich zur aktuellen Krisen-Situation auszutauschen. Dabei wurden nicht nur konkrete Tipps gesammelt für die gastronomische Betriebsführung, sondern auch persönliche Einblicke geteilt und der Dialog mit der Kommune angebahnt.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Die Gastronom*innen halten die Betriebe nur mit Müh und Not am Leben – da wenig Einnahmen entstehen, reduzieren Viele das Personal und Menü
  • Die Protestaktion „Leere Stühle“ Ende April war ein wichtiger Hilferuf der Gastronom*innen, hatte aber viel zu wenig Medienecho
  • Es gibt einige alternative Lösungsansätze, wie z.B. Gutscheinvertrieb, Spendenoptionen und Lieferdienst – Oberbürgermeister Martin Horn hat sogar die kostenfreie Erweiterung der Außengastronomie beschlossen
  • Es ist wichtig mit der Kundschaft in Kontakt zu bleiben und weiter zu informieren
  • Die Gruppe wird Untersützung und den Dialog mit der Kommune suchen

Zum Termin erschienen die unterschiedlichsten Akteure aus der Freiburger Gastro-Szene: Jonas vom Adelhaus (Restaurant), Lea vom Pausenraum (Café & Catering), Sascha von Blume (Restaurant) und Blümchen (Eisdiele), Robin von YepaYepa (Restaurant), Sandra vom Kaffeezeit (Café) und Benny vom Auszeit (Café). Die Betriebe haben zwischen 3 und 33 Mitarbeiter*innen und sind zwischen 2 und 14 Jahren am Markt.

Einstiegsfrage an die Betreiber*innen:

Was begeistert dich besonders an der Arbeit in der Gastronomie?

  • Gäste empfangen, mit Gästen im Kontakt sein
  • Leidenschaft für Kaffee
  • Kreativität ausleben
  • abwechslungsreiche Arbeit, Vielseitigkeit

Was hat sich mit der Corona-Krise für die Gastronomie geändert?

Alle Betriebe haben auf Kurzarbeit umgestellt und auch die Öffnungszeiten gekürzt oder den Betrieb ganz pausiert. Da die Nutzung von Gasträumen zwischenzeitlich ganz untersagt wurde haben einige auf Außer-Haus-Verkauf umgestellt und vertreiben von der Ladentür sowie per Lieferdienst. Die Einnahmen sind für alle Betriebe drastisch zurückgegangen. Manchen ist es gelungen auch die Personal- und Materialkosten entsprechend zu senken, die Betriebe laufen somit aber nur „auf Sparflamme“.

Wie lauten die neuen Vorschriften?

  • Ab Montag, 18. Mai dürfen Gasträume wieder genutzt werden, aber nur unter strengen Hygiene-Auflagen
  • Die Beschränkungen werden bis min. 5. Juni andauern
  • Die DEHOGA hat die Vorschriften auf dieser Seite gut zusammengefasst

Welche konkreten praktischen Tipps wurden in der Gruppe diskutiert?

  • Informiert bleiben: Der kostenlose DEHOGA-Newsletter klärt regelmäßig zu neuen Beschlüssen und Änderungen auf
  • Kundschaft informiert halten: Regelmäßige, sogar tägliche Updates an die Kundschaft sind absolut zu empfehlen, damit die Kundschaft weiß, dass es euch noch gibt!
  • Gutscheine als alternative Einnahmequelle: Bei Lokalmatador eintragen lassen, Gutscheine anbieten und auch online darüber informieren (Web, Facebook, Instagram)
  • Spenden als alternative Einnahmequelle: Die treue Kundschaft will nicht, dass ihre Lieblingslokale schließen müssen – darum ist es völlig legitim auf Spendenoptionen hinzuweisen (Web, Facebook, Instagram), evtl. auch vernüpft mit einer Umfrage. Somit geben wir der Kundschaft auch die Möglichkeit mitzuwirken und mitzudenken.
  • Umgang mit den Vorschriften: Faustregel sind 1,5 m Abstand zu Gästen und Personal. Hier lohnt es sich undogmatisch zu denken, erstmal anzufangen, und abzuwarten bis Kontrolle kommt, direkte Bußgelder sind nicht zu fürchten
  • Außenflächen nutzen: Es lohnt sich bei der Stadt Genehmigungen für Freisitzflächen und Verkaufsstände einzuholen. Der Oberbürgermeister Martin Horn persönlich hat am 8. Mai die kostenfreie Erweiterung der Außengastronomie bestätigt. Unter der 0761 2014801 erreicht ihr die Ansprechpartner*innen der Stadt Freiburg zum Thema Außengastronomie (Amt für öffentliche Ordnung / Garten- und Tiefbauamt).
  • Preise anheben und erklären: Es ist legitim unter den gegebenen Umständen höhere Preise zu verlangen, dies sollte allerdings so einfach und klar wie möglich an die Gäste kommuniziert werden – die treue Kundschaft wird es verstehen und es als Akt der Unterstützung sehen
  • Öffnungszeiten klug einschränken: Fokussieren auf Mittagsstunden und Wochenende
  • Menü verkleinern: Personal- und Wareneinsatz sparen durch weniger Speisen, evtl. Fokus auf Getränke und wenige Gerichte

In der Themensammlung sind eine Vielzahl an Fragen, Problemen und Ideen entstanden. Die Gruppe hat sich besonders mit neuen Strategien in der Krise beschäft, aber auch mit den Auswirkungen der Krise als auch der bisherigen und künftigen Unterstützung seitens Staat und Verbänden. Weiterhin kamen der Umgang mit den Vorschriften und die Anteilnahme seitens der Gesellschaft zur Sprache. Wie oben beschrieben wurden einige Antworten und praktische Ideen gefunden, manche schwierige Fragen blieben allerdings offen, wie: Wie soll man Fachkräfte daran hindern in Zukunft ins Ausland abzuwandern? – oder: Wie können staatliche Finanzhilfen beschafft werden um Betriebe vor der Insolvenz zu retten?

Was sind unsere nächsten Schritte?

  • Nicht aufgeben!
  • Dialog mit der Kommune: Karsten Hoffmann vom ZUK Team hat angekündigt, stellvertretend für die anwesende Gruppe der Freiburger Gastronom*innen den Kontakt zum Gemeinderat aufzubauen. Hier soll es u.a. um die verbesserte Kommunikation und Unterstützung seitens der Kommune für die Gastronomie-Betriebe gehen.
  • Folgetermin: Am Mittwoch, 15. Juli, findet das nächste Online Treffen statt – wie immer offen und kostenlos für alle Gastronom*innen. Anmeldung bitte an Thomas per Mail.

Vielen Dank an alle Teilnehmer*innen und gutes Gelingen!
Thomas vom ZUK Team

ZUK Gastronomie Logo