„Wir wollen Leuchtturmprojekte schaffen“ – Thomas Bauer von der OEKOGENO im Gespräch

Nachhaltiges Investment ist nicht nur mit den grünen Fonds der Big Player möglich. Die OEKOGENO eG ermöglicht es, das Ersparte zu vermehren und dabei soziale und ökologische Projekte zu finanzieren. Wir haben uns mit Thomas Bauer, Leiter der PR Abteilung und ehrenamtlicher Vorstand der BUND Ortsgruppe getroffen zu einem Gespräch über Genossenschaften, gesellschaftlichen Wandel und dem grünen Potenzial der Region um Freiburg.

Das Wohnprojekt der OEKOGENO WIN eG in Nürtingen. Foto: Michael Heyde.
Hallo Thomas. Was ist die OEKOGENO Genossenschaft und wofür steht sie?

Die OEKOGENO besteht aus knapp 20 Mitarbeitenden in Freiburg und 15.700 Mitgliedern deutschlandweit. Wir fördern überregionale Projekte in den Bereichen erneuerbare Energien und soziales Wohnen. Das Prinzip dabei ist das Direktinvestement: Mitglieder leihen uns ihr Geld, wir setzen damit Projekte um und die Mitglieder werden mit einer Dividende belohnt. Bei den erneuerbaren Energien bauen wir beispielsweise Solarparks oder Windräder, die durch den produzierten Strom eine Rendite abwerfen. Für unsere sozialen Wohnprojekte werden vor Ort einzelne Genossenschaften gegründet, in die zukünftige Bewohner:innen und Fördergenoss:innen eintreten. Die Fördergenoss:innen erhalten eine jährliche Dividende, je besser die Genossenschaft wirtschaftet, umso höher fällt sie aus. Bei allen unseren Wohnprojekten bauen wir Wohnungen für Menschen mit Behinderungen, so dass hierbei inklusive Wohngemeinschaften entstehen. 

Man kann auch sein Geld auch bei der OEKOGENO selbst anlegen. Dort gibt es auf die Genossenschaftsanteile keine Dividende, allerdings hat man die Möglichkeit, ein Mitgliederdarlehen zu zeichnen, von dem man dann in der Regel einen jährlichen Zins irgendwo zwischen 2 und 4 Prozent erhält. Diese Mitgliederdarlehen gibt es auch bei den einzelnen Projektgenossenschaften.

Soziale und ökologische Ziele verfolgen und dabei auch noch eine Rendite erhalten, klingt das nicht zu schön um wahr zu sein?

Allgemein kann man sagen, dass unsere Mitglieder ihr Geld bei uns investieren, da sie von den Inhalten der Projekte überzeugt sind und wollen, dass ihr Geld sinnvolle Tätigkeiten finanziert. Die zusätzliche Aussicht auf eine Rendite rechtfertigt die Investition natürlich. Wenn jemand die maximale Rendite aus seinem Geld rausholen will, ist er bei uns an der falschen Adresse. 

 

„Der ideale Wohnbau ist genossenschaftlich organisiert, energieeffizient gebaut und inklusiv.“
 
 

Außerdem besteht immer auch ein Restrisiko für Anleger:innen, vor allem bei den Wohnprojekten. Wenn beispielsweise das Projektmanagement nicht optimal läuft oder die Baukosten steigen, kann es passieren, dass ein Projekt keine Rendite für die Fördernden abwirft. Bisher ist es uns allerdings gelungen, bei allen Projekten rentabel zu wirtschaften.

Wie definiert ihr euren Erfolg?

Das kommt auf den Geschäftsbereich an. Bei den erneuerbaren Energien ist es eindeutig, je mehr nachhaltigen Strom wir produzieren, desto besser. Bei den Wohnprojekten ist es nicht immer quantitativ messbar. Ich würde sagen es ist für die Menschen vor Ort und für uns ein großer Erfolg, wenn es gelingt, eine funktionierende Hausgemeinschaft zu organisieren und Menschen mit Behinderungen zu integrieren, also wenn unser Konzept aufgeht und die Menschen, die in die Wohnprojekte einziehen, es annehmen. 

Erfolg bedeutet für uns auch, wenn örtliche Baugenossenschaften unsere Konzepte übernehmen. Wir wollen Leuchtturmprojekte schaffen und regional vorzeigen, wie man solche sozialen Wohnprojekte durchsetzen kann – nämlich genossenschaftlich organisiert, energieeffizient gebaut und inklusiv. 

Thomas Bauer. Foto: OEKOGENO eG
Thomas Bauer. Foto: OEKOGENO eG

Warum habt ihr euch für die Rechtsform der Genossenschaft entschieden?

Dazu muss ich ein wenig ausholen und kurz etwas über unsere Geschichte erzählen. Die OEKOGENO ist aus der Ökobank entstanden, der ersten ökologischen Bank in Deutschland. Diese wurde Anfang der 80er Jahre in Frankfurt als Genossenschaft gegründet, mit dem Ziel, eine ökologische und transparente Bank ins Leben zu rufen. 2003 wurde das Bankengeschäft, nach wirtschaftlich schwierigen Jahren an die GLS Bank verkauft. Die Genossenschaft blieb bestehen und ihre Mitglieder beschlossen, mit dem verbliebenen Stammkapital soziale und ökologische Projekte zu fördern.

Da viele der Gründerinnen und Gründer der Ökobank aus der Anti-Atomkraft- und Friedensbewegung kamen, war es naheliegend, sich für eine demokratische Rechtsform wie der Genossenschaft zu entscheiden. 

Unsere Projekte, wie die Genossenschaft selbst, sind auf Prinzipien der Kooperation, Beteiligung und Transparenz ausgelegt. Wir wirtschaften für unsere Mitglieder. Diese haben ein Stimmrecht auf unserer jährlichen Hauptversammlung und die Möglichkeit, jederzeit Auskünfte über die OEKOGENO und unsere Arbeit zu erhalten. 

Verfolgt ihr als Unternehmen ein bestimmtes Ziel?

Wir wollen in erster Linie gute Projekte machen. Uns geht es nicht um Wachstum oder Profit. Klar müssen wir solide wirtschaften, um den Betrieb zu erhalten aber vor allem geht es um den Sinn der Tätigkeit und nicht darum, viel Geld zu machen. Ich denke diese Priorität wird von der gesamten Belegschaft vertreten, auch von den Vorständen.

Was sind konkrete Auswirkungen, die man durch eure Projekte in der Region sehen kann?

Unsere Auswirkungen sind häufig vor Ort durch Beispielgebung und Nachahmungen sichtbar. Überall, wo wir Wohnprojekte umsetzen, werden wir von Nachbarkommunen angesprochen, die freie Flächen zu vergeben haben und ähnliche Projekte entstehen lassen wollen. Je mehr solcher Projekte realisiert werden, desto deutlicher wird unser Einfluss sichtbar. 

 

„Bei uns geht es um den Sinn unserer Arbeit, nicht um Wachstum oder Profit.“
 
Ist ein genossenschaftlich organisiertes Unternehmen deiner Meinung nach ein Modell für die Zukunft?

Auf jeden Fall! Ob das jetzt in allen Bereichen funktionieren kann, weiß ich nicht, aber ich denke Genossenschaften können dazu beitragen, gemeinschaftlicher zu denken und Aufgaben als Gesellschaft gemeinsam anzugehen. Diese Eigenschaften halte ich für sehr wichtig in Bezug auf die zukünftigen Herausforderungen.

Wir merken auch, dass bei den Bürgerinnen und Bürgern ein enormes Interesse besteht, sich an gemeinschaftlichen Projekten zu beteiligen. Beispielsweise haben wir für unser aktuelles Wohnprojekt in Südhessen auf 30 zu vergebene Wohnungen zwischen 400 und 500 Anfragen erhalten. 

Du bist Vorstand der BUND Ortsgruppe Freiburg, daher würde ich auch gerne über die Stadtentwicklung sprechen. Die Stadt Freiburg verfolgt sehr ambitionierte Nachhaltigkeitsziele, wie beispielsweise eine Halbierung der Gesamtemissionen bis zum Jahr 2030 (im Vergleich zum Jahr 1992). Sind solche Ziele mit der aktuell vorherrschenden Wirtschaftsweise erreichbar?

Wenn man der Berichterstattung zur Stadtpolitik folgt, beispielsweise aktuell zum Flächennutzungsplan, geht es vordergründig immer darum zu wachsen, seien es steigende Einwohnerzahlen, mehr Tourismus oder mehr Gewerbegebiete. Diese Wachstumsrhetorik ist in Freiburg, trotz des grünen Images der Stadt, omnipräsent. Ich denke man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass mehr immer besser ist. Vor allem die Parameter wie wir wirtschaftlichen Erfolg messen müssten sich ändern. Mit unserer aktuellen Wirtschaftsweise, die so sehr auf Wachstum ausgelegt ist, wird es meiner Ansicht nach nicht gelingen, wirklich nachhaltige Ziele zu erfüllen. 

Allerdings stellt sich natürlich auch die Frage inwiefern die Stadt Freiburg überhaupt agieren kann. um eine Entwicklung zu nachhaltigem Wirtschaften zu beeinflussen. Ich würde mir wünschen, dass Freiburg wieder verstärkt einen Vorbildcharakter einnimmt, also dass alles was im Rahmen der Kommunalpolitik möglich ist, auch versucht wird. Den Eindruck hat man aktuell leider überhaupt nicht. 

Wie sieht ein zukunftsfähiges Wirtschaftsmodell deiner Meinung nach aus?

Ich halte den Ansatz der Gemeinwohlökonomie für sehr vielversprechend. Ein Modell das ökologische, soziale und wirtschaftliche Faktoren ganzheitlich erfasst und bewertet. Wir sind bereits Mitglied in der GWÖ-Regionalgruppe aber haben es leider bisher noch nicht geschafft, eine GWÖ-Bilanz zu erstellen. Eigentlich würde das sehr gut zur OEKOGENO passen, hoffentlich gelingt uns das im nächsten Jahr. 

Haben die Regionen Freiburg und Südbaden denn das Potenzial eine Vorreiterrolle im Bereich zukunftsfähigem Wirtschaften einzunehmen?

Ich finde auf jeden Fall, was allerdings vor allem an den vielen Akteurinnen und Akteuren liegt, die hier in grünen und sinnvollen Projekten tätig sind. Seien es jetzt größere Akteure wie das Frauenhofer Institut oder kleinere Betriebe, die eine grüne Vision verfolgen. Deshalb hat die Stadt das Image der Green City erhalten und weniger wegen der progressiven Stadtpolitik. Da gab es natürlich auch Vorreiterprojekte wie das Vauban aber seitdem hat sich eigentlich wenig getan. 

Ich denke es gibt hier eine kritische Masse an nachhaltig denkenden Menschen. Von daher glaube ich, dass die Region in dem Punkt eine besondere ist und dass sie auch etwas erreichen kann.