Über Sinn und Beruf – Kann man mit einer Design- Agentur die Welt verändern? Ein Interview mit Lars Schönbörner

Lars Schönbörner ist Mitinhaber der Agentur MAJORMAJOR mit Sitz in Stuttgart. Da die Arbeit ihn vor einigen Jahren in eine Sinnkrise geführt hatte, wollte er das Unternehmen bereits verlassen. Die Umstellung hin zu einer Sinnorientierung führte jedoch zu einer völlig neuen Arbeitsweise und Motivation. Ein Gespräch über Sinnhaftigkeit im Job, zukunftsgerichtetes Marketing und die Effektivität von Purpose-Workshops.

Hallo Lars. Wie sieht eure Agentur heute aus?

Wir sind ein Kommunikationsdienstleister, der ausschließlich mit Kundengruppen im Bereich Social Entrepreneurship zusammenarbeitet, deren Unternehmenszweck darauf abzielt, die Welt zu verbessern. Im Gegensatz zu einer klassischen Agentur suchen wir uns unsere Kund*innen aus und arbeiten für Unternehmen, von denen wir überzeugt sind, dass diese durch ihr Handeln einen positiven Beitrag für Gesellschaft und Umwelt leisten. Beispiele für unsere Kunden sind die Impact-Investment Firma SAGANA, das Stuttgarter Festival für Kreislaufwirtschaft future. positive oder der Verein Social Entrepreneurship Baden-Würtemberg e.V..

 

Die Sinnorientierung eurer Agentur hat sich erst in den letzten Jahren geändert. Vorher hast du eine klassische Werbeagentur mit zwischenzeitlich vier Angestellten geleitet und davon leben können. Warum hat dich die Tätigkeit dennoch in eine persönliche Krise geführt?

Die Arbeit frustrierte mich zunehmend, da ich einen starken Widerspruch gespürt habe, zwischen meiner persönlichen Einstellung und meiner beruflichen Tätigkeit. Einerseits erkannte ich die Problematik unseres kapitalistischen Systems, welches auf der Ausbeutung von Mensch und Natur basiert und dass sich daran etwas ändern muss. Andererseits trieben wir als Kommunikations-Agentur dieses System in vorderster Linie mit an. Wir produzierten Werbung und sorgten dafür, dass sich Produkte besser verkaufen. Auch der eigene finanzielle Erfolg war mir irgendwann zuwider und ich sabotierte mich zunehmend selbst, weil ich es ablehnte, viel Geld mit Marketing machen zu wollen. Mein Mitgründer Thomas Beerwart und ich wollten Spaß an der Arbeit haben, gut davon leben können und so wenig wie nötig im kapitalistischen Spiel mitspielen. Aber genau darin lag die Problematik: bei etwas nicht mitzumachen ist keine Zielsetzung mit der sich viel verändern lässt.

 

„Auch der eigene finanzielle Erfolg war mir irgendwann zuwider und ich sabotierte mich zunehmend selbst, weil ich es ablehnte, viel Geld mit Marketing machen zu wollen.“

 

Als diese Unzufriedenheit größer wurde, haben wir versucht, das Ganze anzugehen und beruflich in der Agentur etwas zu ändern. Wir nahmen uns vor, nur noch NGOs und gemeinnützige Organisationen zu bewerben. Das klappte auch zunächst, jedoch mussten wir feststellen, dass sich damit kein Geld verdienen lässt, da es in der Branche üblich ist, Kommunikationsdienstleister kostenlos für sich arbeiten zu lassen.

Infolgedessen konzentrierten wir uns darauf, im Bio-Sektor Kund*innen zu gewinnen. Jedoch ließ sich auch daraus kein Geschäftsmodell bauen, da wir zu wenig Zulauf bekamen und immer wieder Aufträge konventioneller Unternehmen annehmen mussten. So habe ich noch 3-4 Jahre weitergearbeitet und konnte eine Zeit lang zwar mein schlechtes Gewissen etwas beruhigen, aber es änderte sich nichts an meiner beruflichen Unzufriedenheit. Diese wirkte sich auch zunehmend auf mein Privatleben aus. Wenn man als Selbstständiger viel arbeitet, aber nicht komplett hinter dem Zweck der Tätigkeit steht und dieses einem zunehmend weniger Freude bereitet, ist das eine schlechte Kombination für das eigene Wohlbefinden. Irgendwann kam dann der Punkt an dem mir klar wurde, dass ich so nicht weitermachen kann und sich etwas ändern muss.

 

Was hast du dann geändert?

Ich habe mir 9 Monate Auszeit vom Job genommen und diese Zeit in Spanien verbracht. Persönlich hat mir diese Zeit sehr gutgetan. Ich habe mich mit dem Thema der Achtsamkeit auseinandergesetzt und verstärkt in mich reingespürt, um mich mehr mit meiner Unzufriedenheit auseinanderzusetzen. So habe ich festgestellt, dass ich mit mir selbst persönlich im Reinen bin und eigentlich ein sehr zufriedenes Leben führen kann, es mir aber an Ideen fehlt, wie das in Verbindung mit der eigenen Firma funktionieren kann.

Eine Überlegung war, meinen Beruf nach meinem Hobby, dem Motorradfahren, auszurichten und mich in diesem Bereich nach einem neuen Job umzusehen. Als ich wieder nach Deutschland kam, erklärte ich meinem Mitgründer Thomas, dass ich zwar die Buchhaltung der Firma übernehmen könnte, aber mir nicht vorstellen kann, wieder fest einzusteigen. Dann stand im April 2019 ein folgenreicher Purpose Workshop an, den Thomas initiierte und ein gemeinsamer Freund von uns leitete.

 

Also hat ein Workshop dazu geführt, dass du wieder in deine eigene Firma eingestiegen bist?

Es war jetzt nicht so, dass ich sofort danach angefixt war, aber es ist erstaunlich, was dieser Workshop bei uns anstoßen konnte. Wir haben uns zunächst überlegt, was unser persönlicher Auftrag ist und was wir auf der Welt verändern wollen. Darauf aufbauend haben wir unsere unternehmerische Bestimmung erarbeitet und Steffen Stäuber, der den Workshop geleitet hatte, animierte uns dazu, dieser nachzugehen. Das hat bei mir zu einem Umdenken geführt. Erstmals ist mir klar geworden, dass ich ja meine eigene Firma dazu nutzen kann, etwas in der Welt zu verändern.

 

„Wir wollen nicht nur Kommunikations-Design machen, sondern Zukunft gestalten.“

 

Marketing-Kommunikation muss nicht an sich schlecht sein, sondern kann auch dazu führen, die guten und zukunftsgerichteten Firmen bekannter zu machen. Im Nachhinein klingt das trivial, aber ohne die Hilfe von Steffen wäre ich nicht auf diese Idee gekommen.

Im Anschluss haben wir uns zusammengesetzt und erstmals ein Ziel für die Firma festgelegt: Wir wollen nicht nur Kommunikations-Design machen, sondern Zukunft gestalten und mit unseren Mitteln Firmen bekannter und sichtbarer machen, die selbst etwas verändern. Dieses Ziel haben wir dann verbalisiert in unserem Claim ‘We Design Greater Tomorrows‘.

Steffen Stäubers Agentur Create Meaning findet ihr hier.

 

Inwiefern hat sich dadurch eure Arbeit verändert?

Zunächst brauchten wir mit unserer Neuausrichtung einen ersten Auftrag. Glücklicherweise konnten wir mit Steffen zusammen direkt die international agierende Impact-investment Firma Sagana für uns gewinnen. Ähnlich wie bei uns, hat er die Arbeit mit einem Workshop begonnen, in dem er mit den Verantwortlichen den Unternehmenssinn der Firma genau definierte. Im Anschluss bauten wir gemeinsam das komplette Corporate Design der Firma auf und kreierten das Einstiegsvideo für die Website.

Durch diesen ersten Auftrag hat sich auch unsere zukünftige Arbeitsweise verändert dahingehend, dass wir am Anfang einer Zusammenarbeit immer erst den Unternehmenszweck einer Firma definieren und als Ausgangspunkt für das Design und kommunikative Maßnahmen verwenden.

Zur selben Zeit bin ich auf das Impact-Hub in Stuttgart aufmerksam geworden, einem Co-working Space für sinnorientierte Unternehmen und habe festgestellt, dass das  der optimale Arbeitsort für unsere Firma wäre. Nun sind wir seit über einem Jahr dort ansässig und empfinden diesen Ortswechsel als wahnsinnige Bereicherung. Wir haben das Gefühl am richtigen Ort zu sein, umgeben von jungen, innovativen Leuten, die alle versuchen, mit ihrer Arbeit etwas Positives für die Zukunft zu gestalten.

 

Wieso ist es euch im ersten Versuch, vor deinem Sabbatical, nicht gelungen, nur ethisch vertretbare Kund*innen zu bewerben und euch damit durchzusetzen?

Ich glaube was uns vorher gefehlt hat, war eine konkret formulierte Grundausrichtung unserer Firma. Damals konnte man noch nicht sehen, was wir eigentlich erreichen wollen, da wir es selbst auch noch nicht genau wussten. Somit waren wir für die entsprechenden Kundengruppen auch nicht attraktiv genug, da wir keine klare Vision verkörperten. Seit unserer Neuausrichtung haben wir sowohl nach außen hin eine völlig neue Strahlkraft, als auch nach innen ein neues Gemeinschaftsgefühl geschaffen. Das ist schon erstaunlich, was so eine konkret formulierte und visualisierte Zielsetzung erreichen kann.

Aber auch der Ortswechsel ins Impact-Hub hat dazu geführt, die richtigen Kund*innen zu erreichen.

 

Was hat sich seit eurer Neuausrichtung für dich persönlich geändert?

Der größte Unterschied ist, dass mich meine Arbeit wieder zufriedenstellt, ich abends nach Hause komme und weiß, dass ich heute etwas Sinnvolles getan habe. Mittlerweile kann ich mir unseren Erfolg eingestehen und sehe, dass es in Ordnung ist, wenn wir Erfolg haben, solange wir mit unserer Tätigkeit die Dinge in die richtige Richtung lenken.

 

Glaubst du, eine solche Neuausrichtung könnte in jedem Unternehmen gelingen?

Ich denke bei vielen Unternehmen gibt es einiges an Spielraum, der genutzt werden könnte, um für eine lebenswerte Zukunft zu arbeiten. Dass es sich für jeden Betrieb lohnen würde, einer verstärkten Sinnorientierung nachzugehen, davon bin ich überzeugt. Die in Großkonzernen verbreitete Art, ständig von den Aktieneigner*innen zu mehr Rendite getrieben zu werden, frustriert die Mitarbeitenden auf Dauer wahnsinnig. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es jemandem Spaß macht, schlechtere Produkte zu produzieren, nur um mehr Rendite zu erzielen, auch den Chefs der Unternehmen nicht. Man hat sich nur daran gewöhnt, obwohl es völlig absurd ist.

Bei kleineren Unternehmen sind die Entscheidungsträger*innen häufig so in das Tagesgeschäft eingebunden, dass kaum Zeit bleibt, sich Gedanken zur Vision und der Ausrichtung des Unternehmens zu machen. Ich kann da nur jeden und jede animieren, zurückzutreten und sich Gedanken über die Zukunft zu machen.

Insgesamt glaube ich zu spüren, dass da gerade viel in Bewegung gesetzt wird und wenn dem so ist, kann sich in den nächsten Jahren viel ändern, zumindest hoffe ich das sehr.

 

Über die Person:

Lars Schönbörner, Jahrgang 1976, ist Mitinhaber der Agentur MAJORMAJOR Design Co. mit Sitz in Stuttgart. Seit 2003 ist er selbständig und im Unternehmen zuständig für Strategie und Beratung. Außerdem ist er überzeugter Anhänger der Gemeinwohlökonomie und lässt sich derzeit zum Gemeinwohlberater ausbilden.

ageff – Das eigenverantwortliche, „cheflose“ Unternehmen – Das ZUK Team begleitet den Wandel

Im September 2020 hat sich das Team der ageff GmbH in Freiburg auf den Weg gemacht, ein eigenverantwortliches, „chefloses“ Unternehmen zu werden. Wir vom ZUK Team haben sie ein Stück weit begleitet. Vom Visionsworkshop gibt es hier ein kleines Video.

Schnappschuss aus dem Visionsworkshop am 23. September 2020 in Freiburg.
Ein Inhaber will sein Unternehmen an die Mitarbeitenden übergeben. Wie kann das gelingen?

Markus Franz war schon immer von Mitbestimmung und Eigenverantwortung überzeugt. Um sein Team für seine Vision zu gewinnen, haben wir einen eintägigen Workshop organisiert. Dazu hier ein kleines Video. Danke an Smart-Film-Media für die tolle Produktion!

Warum will der Inhaber sein Unternehmen abgeben?

Der ageff-Geschäftsführer Markus Franz begann 2009 als selbständiger Solartechniker. 2016 gründete er die ageff GmbH mit zwei Mitarbeitern. Heute sind es 15 Mitarbeiter*innen, der Umsatz wuchs jedes Jahr in zweistelligen Prozentzahlen. Statt aber einfach immer weiter zu wachsen liegt es Markus Franz am Herzen, ein stabiles Unternehmen mit glücklichen Mitarbeitenden zu erhalten. Hier sollte keiner über dem Anderen stehen und keiner erheblich mehr Last oder Verantwortung als der Andere tragen. Das ist die Vision eines zukunftsfähigen Unternehmen von Markus Franz.

Was hat das ZUK Team hier geleistet?

Der Wandel vom inhaber- zum mitarbeitergeführten Unternehmen ist ein radikaler Schritt. Ohne externe Hilfe fällt es schwer, so eine Reise zu beginnen. Und von oben herab funktioniert es schon gar nicht.

Markus Franz hatte bereits im Sommer 2020 mit Dirk Lenz über seinen Traum gesprochen. Thomas Zimmermann hat gemeinsam mit Dirk Lenz die Visionsentwicklung bei Markus Franz unterstützt und hat den Visionsworkshop für September 2020 konzipiert und gemeinsam mit Dirk Lenz moderiert. An diesem Tag wurde die generelle Bereitschaft des ageff Teams erfragt – und bestätigt. Das ZUK Team hat im Anschluss dem gesamten ageff-Team einen iterativen Entwicklungsplan für die Veränderung zum eigenverantwortlichen Unternehmen vorgestellt.

Wie geht es weiter?

Das Besondere an diesem Veränderungsprozess ist, dass die Entscheidung ganz bei den Mitarbeitenden liegt. Wie schnell, in welchem Umfang – das entscheiden weder der Chef noch wir als externe Organisationsentwickler.

Das ageff Team hat sich für einen „Testmonat“ Mitte 2021 entschieden. In diesem Zeitraum wird der Chef abwesend sein und das Team kann eigenverantwortliche Betriebsführung erproben. Danach reflektieren wir, wie es lief und welche Verantwortungsbereiche noch konkret verteilt werden müssen.

Kann das in unserem Unternehmen auch klappen?

Wenn die Geschäftsführung eine klare Vision hat, dann ist die Grundlage gelegt. Dabei, und bei der Begleitung der Belegschaft, bieten wir vom ZUK Team als externe Organisationsentwickler gerne unsere Unterstützung. Ob 5 oder 500 Mitarbeitende, ob Solartechnik oder Wohnungsbau. Sprechen Sie uns gerne an für ein kostenloses Erstgespräch: thomas.zimmermann@swapwork.de

 

Ohne Chefin, ohne Chef. Arbeiten frei von Hierarchien – Ein Interview mit Rainer Brühl von den Radgebern.

Die 1980 gegründete Selbsthilfewerkstatt für Fahrradreparaturen in der Habsburgerstraße ist mittlerweile Kult in Freiburg. Sie wird geführt von einem 16-köpfigen Team und umfasst die Ladengeschäfte „die Radgeber“ und „der Tandemladen“. Dass es sich bei dem kleinen Betrieb nicht um ein gewöhnliches Fahrradunternehmen handelt, wissen die Wenigsten. Wir haben uns Anfang November mit Rainer Brühl, dem langjährigsten Mitarbeiter des Teams zu einem Interview getroffen, um mit ihm über ein ganz besonderes Konzept des Arbeitens zu sprechen.

©Tobias Rieker

Hallo Rainer. Kannst du uns kurz erklären, warum ihr keine gewöhnliche Fahrradwerkstatt seid?

Was uns am stärksten von anderen Läden unterscheidet ist, dass wir keinen Chef und keine Chefin haben. Alle Abläufe und Entscheidungen werden als Team gemeinschaftlich angegangen und getroffen, wobei jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter gleichberechtigt ist. Auch wenn ich schon am längsten dabei bin, bin ich nicht wichtiger oder habe mehr zu sagen, als jemand der erst letztes Jahr bei uns angefangen hat.

Einen weiterer Unterschied ist unsere offene Werkstatt. Hier kann jeder und jede sein Fahrrad unter Anleitung einer unserer Mitarbeitenden selbst reparieren. Man bezahlt lediglich für die Nutzung der Werkstatt pro Stunde und Person 3€, sowie für Ersatzteile.

Seid ihr mit diesem Konzept von Anfang an gestartet oder entwickelte es sich erst über die Jahre hinweg?

Es hat sich mit der Zeit entwickelt. Die Selbsthilfewerkstatt wurde 1980 von Studierenden der Sozialen Arbeit als soziales Projekt gegründet. Als ich 8 Jahre später dazugekommen bin, wurde die Werkstatt ehrenamtlich geführt und mein damalige Kollege Manfred suchte jemanden, der ihm hilft aus dem Ehrenamt einen Beruf zu machen. Somit haben wir erstmals 1.500 DM in Ersatzteile investiert und gehofft, dass das Ganze funktioniert. Im Prinzip haben wir den Laden deshalb auf die Beine stellen können, weil wir zu Beginn bereit waren für wenig Geld zu arbeiten. Somit mussten wir auch keinen Kredit aufnehmen, sondern konnten das Geschäft ganz langsam wachsen lassen.

 

„Ich sehe es als Profit an, wenn alle unsere Arbeitsplätze finanziert sind und wir von unserer Arbeit leben können.“

 

Es gab damals noch nicht die explizite Idee gemeinschaftlich zu arbeiten, aber mir war bereits klar, dass ich lieber auf einer Ebene mit Menschen zusammen arbeiten möchte und mich nicht als Chef darstellen muss, der ansagt was es zu tun gibt.

Das heißt von Anfang an war es das Ziel der Werkstatt sich selbst zu erhalten und nicht das Erwirtschaften von Profit?

Ich sehe es als Profit an, wenn alle unsere Arbeitsplätze finanziert sind und wir von unserer Arbeit leben können. Darüber hinaus müssen wir jetzt keine hohen Summen generieren. Schön ist es natürlich, wenn es mit der Zeit besser läuft oder wir mehr Leute bezahlen können. Vielleicht ist das der Unterschied zu einem klassischen Betrieb, in dem der Chef oder die Chefin die Angestellten als Kosten betrachten und alles was darüber hinaus übrig bleibt als Profit. Da sieht man es dann nicht unbedingt als Qualität an, wenn man einigen Menschen Arbeit bieten kann, sondern man braucht darüber hinaus etwas, um das Geschäft als rentabel zu betrachten.

Die Selbsthilfewerkstatt in der Habsburger Straße. Foto: ©Tobias Rieker

Welche Hürden sind mit der Zeit entstanden? Gab es vielleicht mal den Punkt an dem ihr Zweifel hattet, dass sich das Projekt selbst erhält?

Die Hürden waren weniger finanzieller als menschlicher Art. Wenn du gleichberechtigt miteinander arbeitest bist du manchmal selbst dein größter Gegner. Man muss erst einmal lernen, dass nicht alles was man sich wünscht später auch so passiert. Zu akzeptieren, dass die eigenen Ideen, auch wenn man sie selbst für sehr gut hält, nicht umgesetzt oder abgelehnt werden, ist für viele am Anfang schwierig. Gerade in den ersten Jahren hatten wir ein bis zwei Punkte an denen das ganze Projekt hätte sterben können, weil die persönlichen Differenzen und die Kommunikationsstruktur so gestört wurden, dass es fast unmöglich wurde zusammen zu arbeiten. Mittlerweile haben wir viel dazu gelernt und auch Strukturen entwickelt, die es Neueinsteigern viel einfacher machen reinzukommen.

Das heißt die Entscheidungsfindung und der gesamte Prozess dabei gestaltet sich eher schwieriger in einem gleichberechtigten Team als wenn sie von einem Chef/ einer Chefin gefällt werden?

Ich würde sagen anspruchsvoller. Wobei die andere Seite ja auch nicht einfach ist. Im besten Fall würde ein guter Chef oder eine gute Chefin die Meinung der Mitarbeitenden in die Entscheidungsfindung auch mit einbeziehen. Die Kunst bei uns ist es eine Gesprächskultur aufzubauen, die es uns ermöglicht auch ohne Hierarchien arbeits- und handlungsfähig zu bleiben. Was sich hierfür als sehr wichtig herausgestellt hat, ist bei Entscheidungen nicht nur mit Ja oder Nein abzustimmen sondern Abstufungen vorzunehmen und nochmal genauer Nachzuhören, ob es sich jetzt um ein starkes oder ein schwaches Nein handelt. Somit lassen sich Kompromisse einfacher erreichen und wir blockieren uns weniger.

 

„Zu akzeptieren, dass die eigenen Ideen, auch wenn man sie selbst für sehr gut hält, nicht umgesetzt oder abgelehnt werden, ist für viele am Anfang schwierig.“

 

Würdet ihr denn mehr Umsatz erzielen wenn ihr anders arbeiten würdet?

Ganz bestimmt. Im Gegensatz zu klassischen Fahrradläden stellen wir keine Saisonkräfte ein, sondern tragen unsere Mitarbeitenden über das ganze Jahr hinweg. Dadurch können wir natürlich weniger flexibel auf Phasen reagieren in denen mal mehr mal weniger los ist, aber mit Saisonkräften würde unser Konzept eines gleichberechtigten Teams nicht funktionieren. Außerdem sind auch nicht alle Arbeitskräfte in Vollzeit angestellt, was die häufiger wechselnden Abläufe auch ineffizienter macht.

Warum lohnt sich euer Konzept dennoch bzw. was macht deine Arbeit so zufriedenstellend?

Ich verdiene zwar nicht wahnsinnig viel, aber ich habe eine Arbeitsplatzsituation und ein Team das alles andere als selbstverständlich ist und was auch nicht in Geld aufzuwiegen ist. Ich genieße diese Umgebung des selbstverwaltenden Arbeitens sehr und sehe es als großen Luxus an, dass ich mir das bisher schon so lange leisten konnte und es funktioniert. Außerdem können wir als Team sehr flexibel auf persönliche Probleme der Mitarbeitenden reagieren. Falls mal die Kinder krank sind oder jemand Sorge hat, sich bei der Arbeit mit Corona zu infizieren, ist das Team sehr schnell bereit einzuspringen und den- oder diejenige mitzutragen. Das ist etwas sehr wertvolles was so auch nicht an jedem Arbeitsplatz gegeben ist.

©Tobias Rieker

Wie sieht die finanzielle Beteiligung der Mitarbeitenden bei euch aus?

Unser Jahresgewinn wird unter allen Mitarbeitenden, die mindestens seit einem Jahr eingestellt sind, entsprechend der geleisteten Arbeitsstunden aufgeteilt. Abgesehen davon erhält jede und jeder von uns denselben Stundenlohn, egal ob man schon seit 30 Jahren dabei ist oder erst seit letzter Woche.

 

 

 

Wie wirkt sich aktuell die Corona-Krise auf euer Geschäft aus und inwiefern musstet ihr euch anpassen?

Wirtschaftlich gesehen hatten wir, wie viele Fahrradläden, durch die Krise bisher keine Nachteile, da viele Menschen das Radfahren wieder für sich entdeckt haben oder die Zeit genutzt haben, ihre Fahrräder mal wieder reparieren zu lassen. Allerdings mussten wir uns, aufgrund der Kontaktbeschränkung in kleinere und feste Teams aufteilen. Das ist natürlich ungesund für das Team wenn man nicht mehr alle regelmäßig sieht. Aktuell arbeite ich mit 5 Leuten fest zusammen und sehe die Anderen nur hin und wieder aus der Ferne, was sehr schade ist.

Verfolgt ihr denn eine bestimmte Strategie als Betrieb, wie beispielsweise Erhaltung, Stabilität, Wachstum?

Die Frage nach Wachstum ist bei uns gerade ein großes Thema, da uns in unserem Laden in der Innenstadt zwei Häuser weiter leerstehende Ladenräume angeboten wurden. Das würde uns zwar sehr entlasten, aber es ist auch klar, dass wir unser Team vergrößern müssten, was natürlich die Frage aufwirft, ob unser Konzept des gleichberechtigten Arbeitens auch bei einer größeren Gruppe funktionieren würde. Ich bin da optimistisch. Vor 15 Jahren sind wir noch davon ausgegangen, dass es nur mit maximal 10 Leuten klappen kann, heute sind wir 16 und es funktioniert immer noch. Mittlerweile glaube ich, dass es eher von den Persönlichkeiten und den Methodiken der Entscheidungsfindung abhängt und nicht von der Gruppengröße an sich.

Bei der Strategie ist es eine Gratwanderung: generell sind wir eher auf Stabilität und Erhaltung bedacht, allerdings ist Stillstand für ein Ladengeschäft fast nicht möglich, da alle laufenden Kosten stetig steigen. Auch würden wir als Team gerne in Zukunft mehr verdienen, aber wir sind nicht bereit uns dafür zu verbiegen oder von unserem Konzept abzuweichen. Von daher ist die Frage bisher für uns noch nicht abschließend beantwortet.

 

Wie überlebt die Gastronomie die Corona-Krise? – Bericht vom 6. ZUK Online Treffen

Am 1. Oktober trafen sich vier leidenschaftliche Gastronomen aus Freiburg mit uns vom ZUK Team um sich zur aktuellen Krisen-Situation auszutauschen. Dabei ging es um die Themen Überbrückungshilfen, Raumluftreinigung und die Erweiterung der Außenflächen.

Quelle: Twitter @sbamueller post vom 28.6.2020

Am Treffen teilgenommen haben Sascha von der Blume, Eric vom Panoramahotel, Jörg vom Schlossbergrestaurant Dattler und Tobias vom Café Einstein

Was besprochen wurde im Überblick:

  • Wie gut funktioniert die Kontaktnachverfolgung? Sind digitale Tools zu empfehlen?
  • Wie sorgt man für einen effektiven Austausch der Raumluft in Innenräumen? Lohnt sich die Anschaffung von Luftfiltern? Darüber haben sich die Teilnehmer ausgetauscht.
  • Die Mehrwertsteuersenkung ist die beste politische Soforthilfe für die Gastronomie aufgrund der einfachen und wirksamen Umsetzung. Da die Gastronomie noch weit bis ins Jahr 2021 von der Corona Krise betroffen sein wird, hoffen alle Anwesenden auf eine Verlängerung der Maßnahme über den 31. Dezember 2020 hinaus. 
  • Die Erweiterung der Außenflächen haben Gastronomien quer durch die Stadt sehr geholfen, sind allerdings nur bis zum 31. Oktober geplant. Wie kann eine Verlängerung dieser Frist erreicht werden und wie können Außenflächen auch im Winter effektiv genutzt werden?

Wie läuft es in der Gastronomie seit der Corona Krise?

Nach den anfänglichen Hürden konnten viele Restaurantbetreiber*innen im Sommer einen guten Umsatz verzeichnen, durch eine kauffreudige Kundschaft, die erweiterten Außenflächen und effektiven, politischen Maßnahmen wie der Mehrwertsteuersenkung. Auf die kalten Wintermonate schauen die GastronomInnen allerdings mit gemischten Gefühlen. 

Was wird sich im Winter ändern?

Durch die wegfallenden Sitzplätze aufgrund der Abstandsregeln wird es für einige Betriebe schwierig werden den nötigen Umsatz zu erzielen. Teilnehmende aus unserer Runde hatten jedoch auch festgestellt, dass viele Gäste kürzer im Restaurant/Café verweilen und Außenflächen auch bei kalten Temperaturen gerne genutzt werden so lange es nicht regnet oder windet. 

Für Restaurants bietet sich die Möglichkeit Reservierungen für Tische zeitlich zu begrenzen um einen höheren Durchlauf zu erreichen. Außenflächen können mit Decken ausgestattet und heiße Getränke angeboten werden. Bei allen Maßnahmen gilt eine gute Kommunikation zu den Gästen aufrecht zu halten. Viele zeigen sich in den meisten Fällen verständnisvoll, wie unsere Runde berichtet. 

Abstands- und Hygieneregeln müssen eingehalten werden 

Mit Sorge stellten einige Teilnehmer unserer Runde fest, dass die nötigen Abstandsregeln in einigen Cafés und Bars nicht eingehalten werden. Gerade an Wochenenden konnte man eine belebte Innenstadt mit voll ausgelasteten Gaststätten beobachten. Kontrollen von Seiten der Behörden wurden in den letzten Wochen seltener. Jedoch wird es gerade im Winter entscheidend sein, dass alle Gastronomien sich an die Abstands- und Hygieneregeln halten, da ein möglicher Ausbruch in einer Gaststätte schwere Folgen für die gesamte Gastronomie haben könnte. Viele Betriebe würden einen zweiten Lockdown womöglich nicht verkraften. Daher möchten wir hier noch einmal appelieren, die nötigen Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit einzuhalten. 

Hierzu gehört auch die Gäste zum konsequenten Maskentragen abseits des Sitzplatzes aufzufordern. Nur so kann eine Ärosolverbreitung Auf Toiletten und in Eingängen minimiert werden.

Aktuelle Informationen zu den derzeit geltenden Beschränkungen sind auf der Dehoga Website unter folgendem Link zu finden:  

 

Wichtiges Thema Luftaustausch

Zu den bestehenden Regeln wird nun im Winter ein regelmäßiges Lüften entscheidend sein. Mindestens einmal pro Stunde sollte versucht werden, die Raumluft komplett auszutauschen. Wichtig ist ein Konzept an die Mitarbeitenden heranzutragen und dieses auch konsequent umzusetzen. Empfehlenswert ist es hierbei eine gute Kommunikation mit den Gästen beizubehalten und diese eventuell zu bitten, sich Jacken anzuziehen, wenn es die nächsten 5-10 Minuten kalt wird im Innenraum. 

Viele GastronomInnen haben sich womöglich bereits die Frage gestellt  in Raumluftfilter zu investieren. Jörg hatte sich zu dem Thema bereits mit der Firma Sentinel Haus ausgetauscht, welche als lokale Experten im Bereich Schadstoffe in der Luft gelten. Luftreiniger Geräte sind in der Regel für Räume mit geringem Personenverkehr gedacht und ihre Effektivität in der Gastronomie wird auch von Expertenseite angezweifelt. Es gibt noch keine Belege, dass bestimmte Geräte zuverlässig Coronaviren und virenbehaftete Ärosole aus der Luft filtern können. Daher bleibt das regelmäßige Durchlüften die einzig probate Methode um die Gesundheit der Gäste zu sichern. Von der Anschaffung teurer Geräte ohne eine verlässlich nachweisbare Effektivität raten wir ab. 

Überbrückungshilfen

Die Stabilisierungshilfe Corona für das Hotel- und Gaststättengewerbe wurde nun verlängert und kann künftig noch bis zum 20. November beantragt werden. Weitere Infos findet ihr hier:

https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/stabilisierungshilfe-fuer-hotel-und-gaststaetten-gewerbe-wird-verlaengert/

Die Mehrwertsteuer auf Speisen soll ab dem 1. Januar 2021 von 5% auf 7% erhöht werden.

 

Wie geht es weiter?

Einen Folgetermin für unser Treffen wird es vorerst nicht mehr geben. Bei Fragen, Anregungen oder Wünschen zur Gastronomie in Freiburg könnt ihr euch jederzeit gerne an uns wenden. 

Wir hoffen, dass alle gut und gesund durch den Winter kommen und wünschen euch weiterhin gutes Gelingen!

Roman vom ZUK Team

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Wie überlebt die Gastronomie die Corona-Krise? – Bericht vom 6. ZUK Online Treffen

Am 15. Juli trafen sich erneut sechs leidenschaftliche Gastronom*innen aus Freiburg mit uns vom ZUK Team um sich zur aktuellen Krisen-Situation auszutauschen. Dabei wurden persönliche Erfahrungen der letzten Wochen geteilt und praktische Tipps zu Systemen gegeben, die den Ablauf der Betriebe erleichtern können.

Zum Termin erschienen die unterschiedlichsten Akteure aus der Freiburger Gastro-Szene: Bettina vom Kartoffelhaus (Restaurant), Linda vom Légère (Restaurant), Sascha von der Blume (Restaurant) und Blümchen (Eisdiele), Gesine von der Küchenschelle (Restaurant), Eric vom Panoramahotel (Restaurant und Hotel) und Jörg vom Schlossbergrestaurant Dattler

Was besprochen wurde im Überblick:

  • Bettina hat uns neue Mehrweg To-Go Boxen vorgestellt, die bereits im Kartoffelhaus und drei weiteren Freiburger Restaurants verwendet werden. Mehr Infos hierzu findet ihr weiter unten. 
  • Viele Betriebe haben ihr Tagesgeschäft umgestellt und auf die aktuelle Corona Situation angepasst. 
  • Was sind die größten Herausforderungen und wie gehen wir damit um? Darüber haben sich die Teilnehmer*Innen im Zweiergespräch ausgetauscht. 
  • Welche Online Bezahlungs- und Reservierungssysteme werden genutzt und und was sind die Vor- und Nachteile. 
  • Wie können die Gastronom*Innen mit der generellen Unplanbarkeit der aktuellen Situation am besten umgehen?

Wie läuft es in der Gastronomie seit der Corona Krise?

 Die Gäste haben vermehrt wieder den Weg in die Gastronomien gefunden. Allerdings mussten einige Betreiber*Innen ihren Betrieb umstellen, da beispielsweise Veranstaltungen in letzter Zeit nicht durchführbar waren. Somit wurde der Fokus verstärkt auf das à la carte Geschäft gelegt. Außenflächen werden nun vermehrt genutzt, jedoch noch im beschränktem Ausmaße aufgrund der Abstandsregelungen. Eine der größten Herausforderungen ist und bleibt die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter*Innen bei geringerem Betrieb als im Vorjahr.

 

 VYTAL Mehrwegsysteme für Restaurants:

Eine nachhaltige Möglichkeit dem Verpackungsmüll durch das zunehmende To-Go Geschäft während der Corona-Zeit entgegenzuwirken bietet das Pfand Konzept für To-Go Boxen des Anbieters VYTAL. Die praktischen Boxen können Nutzer*Innen gegen eine Pfandgebühr bei teilnehmenden Restaurants abholen und wieder zurückbringen. Die Entrichtung der Gebühr funktioniert über eine App, Informationen zur Nutzung werden vom Anbieter über Broschüren an die Kunden vermittelt. Weitere Informationen, sowie ein Kontaktformular zur Anmeldung findet ihr auf der Website des Anbieters:

VYTAL Mehrwegsystem

Hoffentlich können wir in Zukunft leckere Speisen aus allerlei Restaurants zum Mitnehmen genießen, ohne ständig To-Go Boxen wegschmeißen zu müssen.  

Online Systeme für die Gastronomie

Die Teilnehmer*Innen unserer Runde konnten über verschiedene Bezahl- und Reservierungssysteme berichten. Hier ein kleiner Überblick:
  • Sascha empfiehlt das System Gastronovi als Komplettlösung. Hiermit können sowohl Online Tischreservierungen durchgeführt, als auch über die eigene Website Gutscheine generiert werden. Außerdem wird auch ein Kassen- und Bestellsystem mit angeboten. 
  • Gesine nutzt das Reservierungssystem Resmio. Hierbei kann die praktische Wetterfunktion Tische im Außenbereich nur bei gutem Wetter vergeben bzw. die Reservierung wieder aufheben, falls sich die Wettervorhersage ändert. 
  • Generell waren sich die Gastronom*Innen einig, dass in Zukunft das bargeldlose Bezahlen an Bedeutung gewinnt und eventuell die Bargeldzahlung in der Gastronomie komplett ersetzt. Daher ist es ratsam, rechtzeitig gute und verlässliche Bezahlsysteme einzurichten. 

Wie geht es weiter?

Folgetermin: Am Montag den 31. August findet das nächste Online Treffen statt – wir hoffen bis dahin den Kreis der Teilnehmenden mit Hilfe des DEHOGA Newsletters erweitern zu können und einen fruchtbaren Austausch der Freiburger Gastroszene zu bieten. 

 

Vielen Dank an alle Teilnehmer*innen und gutes Gelingen!
Roman vom ZUK Team

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Wie überlebt der Einzelhandel die Corona-Krise? – Bericht vom 7. ZUK Online Treffen

Am 22. Juli haben wir uns in kleiner Runde zur Situation des Einzelhandels in Freiburg ausgetauscht. Diesmal ging es um die Freiburger Initiative zum Lieferkettengesetz, sowie den Vorschlag die nachhaltigen Läden Freiburgs durch ein Kundenquiz zu vernetzen.

Eine Lieferkette die auf fairen Arbeitsbeziehungen und Löhnen basiert, sowie die Achtung der Menschenrechte gewährleistet, sollte für viele Betriebe selbstverständlich sein. Leider gelingt es Konzernen weltweit, durch ihren Produktionsprozess Regeln zu umgehen und im Zeichen des Profits Menschen in den Herstellungsländern auszubeuten. Deshalb braucht es einen gesetzlichen Rahmen, um zumindest deutsche Hersteller zu verpflichten, gewisse Standards in ihrer Lieferkette einzuhalten. 

Unsere Plattform, sowie Vertreter des nachhaltigen Einzelhandels unterstützen die Initiative zum Lieferkettengesetz und wollen mit folgendem Link auf die Petition hinweisen, welche von der Politik die Einführung eines solchen Gesetzes fordert. 

Initiative+ Lieferkettengesetz

Neues Konzept: Freiburger Shopping Quiz 

Uns hat der Vorschlag erreicht, zur Unterstützung der nachhaltigen Geschäfte untereinander ein Quiz zu erstellen. Hierbei  bekommen KundInnen Fragen gestellt, deren Antworten sie nur in den jeweiligen Geschäften finden können. Wir fanden die Idee gut und haben uns folgende Gedanken zur Umsetzung gemacht. 
 
  • Start gegen Oktober, Ende mit Preisverleihung Richtung Dezember. 
  • Digital oder analog? Quiz könnte als Broschüre verteilt oder als Website und QR aufgerufen werden.
  • Quiz bietet eine gute Möglichkeit, die Einzigartigkeit und Vorteile von nachhaltigen Produkten zu erklären. Ebenfalls können so Geschichten zur Herstellung der Produkte vermittelt werden, um den Kunden zu zeigen, dass es sinnvoll ist nachhaltige Produkte zu unterstützen.
  • Evtl. wäre auch eine Umsetzung als Konzept des Geocaching möglich. Man bekommt Inhalte über das Smartphone nur angezeigt, wenn man sich an einem bestimmten Ort befindet. 
  • Lösungen könnten im Laden durch QR Codes vermittelt werden, um einen Mehraufwand für die MitarbeiterInnen durch Kundenfragen zu vermeiden. 

Bisher steht noch kein festes Konzept, Anregungen oder Ideen sind jederzeit willkommen!

Das nächste Treffen wird am Mittwoch den 16. September, 18-20 Uhr stattfinden! 

Bis dahin bedanken wir uns bei allen TeilnehmerInnen und freuen uns auf das nächste Mal!

Roman vom ZUK Team

 

ZUK Einzelhandel Logo

Wie überleben die Bildungsanbieter*innen die Corona-Krise? – Bericht vom 3. ZUK Online Treffen

Am 3. Juni trafen sich vier leidenschaftliche Bildungsanbieter*innen aus Freiburg mit uns vom ZUK Team um sich zur aktuellen Krisen-Situation auszutauschen. Die Einschränkungen im Präsenzangebot machen deutlich, wie radikal neu Didaktik und Formate gedacht werden müssen. Dazu haben wir eine Vielzahl praktischer Tipps gesammelt.

Zum Termin erschienen die unterschiedlichsten Akteur*innen seitens privater Freiburger Bildungsanbieter: Anne-Kerrin und Gabriele von der Caritas-Akademie (Führungskräfte-und Team-Entwicklung & Tagungen),  Jakob vom Ökumenischen Bildungszentrum (Erwachsenenbildung), und Kay vom Goethe-Institut (Deutsch Sprachschule). Die Institute haben vor Ort 5 bis 35 Mitarbeiter*innen und bestehen alle schon über 50 Jahre.

Einstiegsfrage an die Betreiber*innen:

Was begeistert dich besonders an der Arbeit als Bildungsanbieter*in?

  • Etwas weitergeben, Wissen teilen
  • Menschen begegnen, Menschen unterstützen
  • Internationalität
  • Wildwasser – alles ist ständig im Wandel

Was hat sich mit der Corona-Krise für die Bildungsanbieter*innen geändert?

Alle vertretenen Institute hatten vor Corona nur geringfügig oder gar kein Online-Angebot.  Weiterbildungen wurden über „klassische“ Präsenzformate in Seminarräumen in Freiburg durchgeführt. Mitte März mussten durch die Corona-Verordnungen alle Räume geschlossen werden, die Umsätze brachen teils drastisch ein. Geplante Seminare bzw. Kurse wurden teilweise abgesagt, teilweise in den Herbst verschoben. Einige wenige davon konnten auch schon in virtuelle Formate überführt werden. Begonnene Kurse wurden mit improvisierten Online-Formaten per Videokonferenz fortgeführt. Alle Institute arbeiten jetzt an Möglichkeiten für virtuelle Didaktik.

Das Bildungszentrum sagte viele Kurse ab, führte ab die Deutschkurse für Migrant*innen unter strengen Hygieneauflagen fort. Die Caritas-Akademie entwickelte kurzfristig neue Online-Seminare zum Thema Virtuelle Zusammenarbeit. Das Goethe-Institut hat eine hauptsächlich ausländische Zielgruppe und erwartet durch die stark eingeschränkten Reisemöglichkeiten erst wieder im Herbst die Wiederaufnahme der Kurse.

Welche Fragen beschäftigen die Bildungsanbieter*innen?

  • Durch die Abstandsregeln haben Räume nur noch halb so viel Kapazität – wie kann da der Wiedereinstieg ökonomisch sinnvoll gelingen?
  • Wieviel Lernaufwand braucht es, damit unvorbereitete User technisch UND mental bei einem Online-Workshop oder -Training teilnehmen können? Was sind geeignete Lernmittel?
  • Wie lassen sich Online und Offline Formate sinnvoll für hybrides Lernen verbinden?
  • Welche Präsenzangebote werden zukünftig komplett durch online ersetzt?
  • Wie finden wir die Balance aus freiem Experimentieren mit neuen Konzepten und den Rahmenbedingungen seitens unserer Organisation und der Organisationen unser Teilnehmer*innen?
ZUK Online Bildungsanbieter Themenfeld
Die Gruppierung der Themen sowie Antworten am digitalen Whiteboard im ZUK Online Treffen. © ZUK

In der Themensammlung sind eine Vielzahl an Fragen, Problemen und Ideen entstanden. Hierbei ging es sowohl um den Wiedereinstieg in das Präsenzgeschäft nach den Lockerungen der Corona-Vorschriften als auch um die Umstellung auf Online-Formate. 

Welche konkreten praktischen Tipps wurden in der Gruppe diskutiert?

Zum Thema: Unerfahrene Teilnehmer*innen auf Online-Formate vorbereiten.

  • Vorbereitungstermin zur technischen Einführung: Bei Gruppen mit wenig Erfahrungen mit Videokonferenzen und Online-Tools lohnt sich ein separater Termin vorab um die neuen Werkzeuge zu erproben (30-60 Minuten).
  • Vorbereitungsmaterial vorab zuschicken: Eine Mail mit Lernvideos und Übungen ist auch empfehlenswert. Manche Anbieter wie Edudip oder Zoom stellen solche Materialen schon bereit.
  • Eine*n Techniker*in als Co-Moderation einbeziehen: Wenn die Teilnehmer*innen jederzeit eine Ansprechperson für technische Probleme haben könnt ihr euch als Trainer*innen mehr auf die Inhalte konzentrieren.
  • Im Online-Seminar: Anfangs Spielregeln und Etikette klären: Erklärt euren Teilnehmer*innen zu Beginn die wichtigsten stummen Handgesten (Meldung, Zustimmung usw.) wie auch Verhaltensregeln (Stummschalten, Kamera nutzen usw.).
  • Bei Großgruppen Online regelmäßig aktivieren: Es ist schwer alle Teilnehmer*innen auf dem Schirm zu behalten, daher sind Aktivierungen wie Umfragen oder Chat-Abfragen hilfreich.
  • Das Online-Seminar auflockern und angenehm gestalten: Mit Warmups und Energizern. Ja, das geht auch virtuell! Und das braucht es, denn die Aufmerksamkeit lässt schneller nach als im Seminarraum, da es am Heim-PC auch mehr Ablenkungen gibt. Auch eine Atem- oder Körperübung kann viel bewirken.
  • Sich selbst als Online-Trainer*in weiterbilden: Mit Handbüchern oder Kursen

Ein Nachtrag von Thomas: Online Warmups

Einige Ideen für Aufwärmübungen für Online Seminare.

Zum Thema: Wiedereinstieg im Präsenzformat mit eingeschränkten Raumkapazitäten.

  • Präsenzformate auf Online-Formate umstellen (wenn möglich)
  • Schulung nach draußen verlagern (im Sommer)
  • Mit anderen Instituten kooperieren um sich Räume zu teilen: Je nach Auslastung kann gegenseitige Bereitstellung von Räumen möglich sein, so z.B. bei Goethe Institut und Centre Culture oder Bildungszentrum und Kolping Institute. Auch kommerzielle Seminarräume können nach Bedarf zugebucht werden.

Zum Thema: Balance zwischen freiem Experimentieren und organisationalen Rahmenbedingungen.

  • Teilnehmer*innen haben technisch teilweise bessere Bedingungen als am Arbeitsplatz: Schlagt vor, dass die TN sich für Home Office Weiterbildungen eine Erlaubnis holen
  • Die Organisationen sind veränderungs- und diskussionsbereit und offen für Remote Kommunikation: Online-Meetings intern werden besser besucht als analoge Treffen, das ist eine Chance. Die Krise kann als Chance gesehen werden und bringt einen Lern- und Digitalisierungsschub mit sich.

Was sind unsere nächsten Schritte?

  • Nicht aufgeben!
  • Weitere Bildungsanbieter*innen einladen
  • Folgetermin: Am Mittwoch, 1. Juli 15-17 Uhr, findet das nächste Online Treffen statt – wie immer offen und kostenlos für alle Bildungsanbieter*innen.

Vielen Dank an alle Teilnehmer*innen und gutes Gelingen!
Thomas vom ZUK Team

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Wie überlebt der Einzelhandel die Corona-Krise? – Bericht vom 2. ZUK Online Treffen

Die Corona-Krise betrifft jede Branche auf andere Weise. Am 20. Mai trafen sich sechs leidenschaftliche Betreiber*innen des Freiburger Einzelhandels mit uns vom ZUK Team um sich zur Situation auszutauschen. Dabei wurden nicht nur konkrete Tipps gesammelt für die kaufmännische Betriebsführung, sondern auch persönliche Einblicke geteilt und Fragen der Nachhaltigkeit und Regionalität diskutiert.

Zum Termin erschienen die unterschiedlichsten Akteur*innen aus der Freiburger Einzelhandels-Szene: Maria von der Kleiderei (Mode), Tobias von Waschbär (Naturmode & Bioprodukte), Nora von Knuddelkinder (Bio-Kindermode), Sebastian von GEA (Schuhe & Möbel), Wolfgang von Blendwerk (Fotografie) und Stefanie und Sabine vom Weltladen Herdern (Produkte aus fairem Handel).

Die Betriebe haben 1-28 Mitarbeiter*innen vorort und bestehen seit 1-33 Jahren. Manche haben kein Online-Geschäft, die meisten in geringen Maßen, ein Betreiber hat einen großen Versandhandel.

Einstiegsfrage an die Betreiber*innen:

Was begeistert dich besonders an der Arbeit im Einzelhandel?

  • Glückliche Kunden, Kundenfokus
  • Nachhaltige Produkte

Was hat sich mit der Corona-Krise für den Einzelhandel geändert?

Einige Betriebe haben auf Kurzarbeit umgestellt und auch die Öffnungszeiten gekürzt oder den Betrieb ganz pausiert. Erstaunlicherweise berichten die meisten Betreiber*innen, dass die Umsätze trotz Corona relativ stabil geblieben seien.

Jedoch musste eine Betreiberin den Laden zeitweise schließen und das senkte auch die Umsätze. Besonders bei Bekleidung für Erwachsene sind Umsatzeinbußen deutlich, vermutlich weil die Kund*innen sich teilweise scheuen, Teile anzuprobieren, und weil sie sich kürzer als üblich im Laden aufhalten.

Welche konkreten praktischen Tipps wurden in der Gruppe diskutiert?

  • Versandhandel und Online-Vertrieb nutzen: Während der Corona-Krise blieb das Online- und Versandgeschäft stabil. Das kann in Zukunft also eine wichtige Stütze sein.
  • Lieferdienst lohnt sich nur bei bestimmten Produkten: Manche Läden boten temporär kostenlose Fahrrad-Kurierdienste an. Bei Kleidung wurde das wenig genutzt, im Buchhandel jedoch sehr viel (Bericht Jos Fritz Buchhandlung).
  • Kiezkultur schafft Stammkundschaft: Gerade die kleinen Läden in nicht-zentralen Staddteilen hatten stabile Kundschaft. Die Altstadt-Läden war durch die Abhängigkeit zur Laufkundschaft stärker betroffen von Corona-Einbußen. Daher lohnt es sich die Kund*innen vorort anzusprechen und zu binden.
  • Leihen statt Kaufen als neues, stabiles Geschäftsmodell: Jüngere Generationen legen weniger Wert auf Besitz und unterstützen die Sharing Economy. Sogar Kleidung lässt sich im Abo nutzen, wie bei der Kleiderei von Maria. Die 120 Abonent*innen sicherten ihr 50% Umsatz in der schweren Corona-Zeit.
  • Mit Transparenz überzeugen, eigene Besonderheiten und Qualitäts-Standards hervorheben: Jeder Einzelhandel hat sein eigenes Profil, bietet eine besondere Auswahl, legt auf bestimmte Standards wert. Das sollte stärker kommuniziert werden. Ein Beispiel: Der Weltladen läd Vertreter*innen der FairHandels-Importeuren (FairFood, Regenwaldladen) ein und bringt sie direkt in Dialog mit Kund*innen. Generell sind Kund*innen zunehmend neugierig woher die Ware kommt und wie sie hergestellt wird. Gerade regionale Einzelhändler*innen haben hier häufig eine „weißere Weste“ und dürfen dies auch zeigen.
  • Den Faktor Regionalität hervorheben: Wer in lokalen Läden einkauft, unterstützt die lokale Wirtschaft. Das ist branchenintern bekannt, aber längst nicht bei allen Kund*innen. Hier darf auch öffentlich Kritik am Trend zum Online-Shopping bei Amazon & Co. betrieben werden.
  • Alle Mitarbeiter*innen über die eigenen Standards aufklären: Damit die Kund*innen jederzeit Rückfragen stellen können, lohnt es sich alle Mitarbeiter*innen zu Expert*innen zu machen. Tobias berichtet, dass bei Waschbär ein eigenes Nachhaltigkeitsteam regelmäßig interne Schulungen für die Mitarbeiter*innen anbietet.
  • An Stadtführungen und Schülerprojekten zu kritischem Konsum teilnehmen: Gerade in Freiburg gibt es viele zivile und schulische Initiativen für Aufklärung über Konsum. Ein Beispiel: https://www.kaufrausch-freiburg.de.
Themensammlung ZUK Online Einzelhandel
Die Gruppierung der Themen sowie Antworten am digitalen Whiteboard im ZUK Online Treffen © ZUK

Die Gruppe hat das Online Treffen vor allem zum persönlichen Austausch genutzt, um mehr über die Geschäftsrealität der Anderen zu erfahren. In der Themensammlung sind aber auch konkrete Fragen entstanden, z.B. wie mehr junge Ehrenamtliche gewonnen werden können (Weltladen), oder wie ein freiburgweiter geteilter Webshop aussehen könnte (Gabi Obi – freiburg.biz). Auch der Umsatzeinbruch bei Kleidung wurde näher beleuchtet, dazu konkrete Tipps siehe oben. Eine Frage stand jedoch besonders im Fokus der Diskussion: „Wie kann man den Kund*innen vermitteln, dass es auf die Regionalität ankommt?“ (Sebastian, GEA). Dazu wurden auch Tipps gesammelt und ein themenspezifischer Folgetermin vereinbart.

Was sind unsere nächsten Schritte?

  • Nicht aufgeben!
  • Mehr Akteur*innen einladen, weiterempfehlen.
  • Expert*innen einladen, z.B. die FairHandels Beraterin Birgit Lieber
  • Folgetermin: Am Mittwoch, 17. Juni, 18-20 Uhr findet das nächste Online Treffen statt (inkl. Pause zum Essen) – wie immer offen und kostenlos für alle Einzelhändler*innen. Es gibt anfangs Zeit für den persönlichen Austausch und dann eine Diskussion speziell zum Thema „Regionalität und Nachhaltigkeit im Einzelhandel„. Anmeldung bitte an Thomas per Mail.

Vielen Dank an alle Teilnehmer*innen und gutes Gelingen!
Thomas vom ZUK Team

ZUK Einzelhandel Logo

Wie überlebt die Gastronomie die Corona-Krise? – Bericht vom 1. ZUK Online Treffen

Am 13. Mai trafen sich sechs leidenschaftliche Gastronom*innen aus Freiburg mit uns vom ZUK Team um sich zur aktuellen Krisen-Situation auszutauschen. Dabei wurden nicht nur konkrete Tipps gesammelt für die gastronomische Betriebsführung, sondern auch persönliche Einblicke geteilt und der Dialog mit der Kommune angebahnt.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Die Gastronom*innen halten die Betriebe nur mit Müh und Not am Leben – da wenig Einnahmen entstehen, reduzieren Viele das Personal und Menü
  • Die Protestaktion „Leere Stühle“ Ende April war ein wichtiger Hilferuf der Gastronom*innen, hatte aber viel zu wenig Medienecho
  • Es gibt einige alternative Lösungsansätze, wie z.B. Gutscheinvertrieb, Spendenoptionen und Lieferdienst – Oberbürgermeister Martin Horn hat sogar die kostenfreie Erweiterung der Außengastronomie beschlossen
  • Es ist wichtig mit der Kundschaft in Kontakt zu bleiben und weiter zu informieren
  • Die Gruppe wird Untersützung und den Dialog mit der Kommune suchen

Zum Termin erschienen die unterschiedlichsten Akteure aus der Freiburger Gastro-Szene: Jonas vom Adelhaus (Restaurant), Lea vom Pausenraum (Café & Catering), Sascha von Blume (Restaurant) und Blümchen (Eisdiele), Robin von YepaYepa (Restaurant), Sandra vom Kaffeezeit (Café) und Benny vom Auszeit (Café). Die Betriebe haben zwischen 3 und 33 Mitarbeiter*innen und sind zwischen 2 und 14 Jahren am Markt.

Einstiegsfrage an die Betreiber*innen:

Was begeistert dich besonders an der Arbeit in der Gastronomie?

  • Gäste empfangen, mit Gästen im Kontakt sein
  • Leidenschaft für Kaffee
  • Kreativität ausleben
  • abwechslungsreiche Arbeit, Vielseitigkeit

Was hat sich mit der Corona-Krise für die Gastronomie geändert?

Alle Betriebe haben auf Kurzarbeit umgestellt und auch die Öffnungszeiten gekürzt oder den Betrieb ganz pausiert. Da die Nutzung von Gasträumen zwischenzeitlich ganz untersagt wurde haben einige auf Außer-Haus-Verkauf umgestellt und vertreiben von der Ladentür sowie per Lieferdienst. Die Einnahmen sind für alle Betriebe drastisch zurückgegangen. Manchen ist es gelungen auch die Personal- und Materialkosten entsprechend zu senken, die Betriebe laufen somit aber nur „auf Sparflamme“.

Wie lauten die neuen Vorschriften?

  • Ab Montag, 18. Mai dürfen Gasträume wieder genutzt werden, aber nur unter strengen Hygiene-Auflagen
  • Die Beschränkungen werden bis min. 5. Juni andauern
  • Die DEHOGA hat die Vorschriften auf dieser Seite gut zusammengefasst

Welche konkreten praktischen Tipps wurden in der Gruppe diskutiert?

  • Informiert bleiben: Der kostenlose DEHOGA-Newsletter klärt regelmäßig zu neuen Beschlüssen und Änderungen auf
  • Kundschaft informiert halten: Regelmäßige, sogar tägliche Updates an die Kundschaft sind absolut zu empfehlen, damit die Kundschaft weiß, dass es euch noch gibt!
  • Gutscheine als alternative Einnahmequelle: Bei Lokalmatador eintragen lassen, Gutscheine anbieten und auch online darüber informieren (Web, Facebook, Instagram)
  • Spenden als alternative Einnahmequelle: Die treue Kundschaft will nicht, dass ihre Lieblingslokale schließen müssen – darum ist es völlig legitim auf Spendenoptionen hinzuweisen (Web, Facebook, Instagram), evtl. auch vernüpft mit einer Umfrage. Somit geben wir der Kundschaft auch die Möglichkeit mitzuwirken und mitzudenken.
  • Umgang mit den Vorschriften: Faustregel sind 1,5 m Abstand zu Gästen und Personal. Hier lohnt es sich undogmatisch zu denken, erstmal anzufangen, und abzuwarten bis Kontrolle kommt, direkte Bußgelder sind nicht zu fürchten
  • Außenflächen nutzen: Es lohnt sich bei der Stadt Genehmigungen für Freisitzflächen und Verkaufsstände einzuholen. Der Oberbürgermeister Martin Horn persönlich hat am 8. Mai die kostenfreie Erweiterung der Außengastronomie bestätigt. Unter der 0761 2014801 erreicht ihr die Ansprechpartner*innen der Stadt Freiburg zum Thema Außengastronomie (Amt für öffentliche Ordnung / Garten- und Tiefbauamt).
  • Preise anheben und erklären: Es ist legitim unter den gegebenen Umständen höhere Preise zu verlangen, dies sollte allerdings so einfach und klar wie möglich an die Gäste kommuniziert werden – die treue Kundschaft wird es verstehen und es als Akt der Unterstützung sehen
  • Öffnungszeiten klug einschränken: Fokussieren auf Mittagsstunden und Wochenende
  • Menü verkleinern: Personal- und Wareneinsatz sparen durch weniger Speisen, evtl. Fokus auf Getränke und wenige Gerichte

In der Themensammlung sind eine Vielzahl an Fragen, Problemen und Ideen entstanden. Die Gruppe hat sich besonders mit neuen Strategien in der Krise beschäft, aber auch mit den Auswirkungen der Krise als auch der bisherigen und künftigen Unterstützung seitens Staat und Verbänden. Weiterhin kamen der Umgang mit den Vorschriften und die Anteilnahme seitens der Gesellschaft zur Sprache. Wie oben beschrieben wurden einige Antworten und praktische Ideen gefunden, manche schwierige Fragen blieben allerdings offen, wie: Wie soll man Fachkräfte daran hindern in Zukunft ins Ausland abzuwandern? – oder: Wie können staatliche Finanzhilfen beschafft werden um Betriebe vor der Insolvenz zu retten?

Was sind unsere nächsten Schritte?

  • Nicht aufgeben!
  • Dialog mit der Kommune: Karsten Hoffmann vom ZUK Team hat angekündigt, stellvertretend für die anwesende Gruppe der Freiburger Gastronom*innen den Kontakt zum Gemeinderat aufzubauen. Hier soll es u.a. um die verbesserte Kommunikation und Unterstützung seitens der Kommune für die Gastronomie-Betriebe gehen.
  • Folgetermin: Am Mittwoch, 15. Juli, findet das nächste Online Treffen statt – wie immer offen und kostenlos für alle Gastronom*innen. Anmeldung bitte an Thomas per Mail.

Vielen Dank an alle Teilnehmer*innen und gutes Gelingen!
Thomas vom ZUK Team

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