Bericht von der Freiburger Pressekonferenz Gemeinwohlökonomie – Juni 2021

Anlässlich der Testatübergabe an fünf neu bilanzierte Gemeinwohl-Unternehmen hat Gitta Walchner von der GWÖ-Regionalgruppe eine Pressekonferenz einberufen.

Zum Termin erschienen u.a. Dr. Christoph Hartebrodt (FVA BaWü), Florian Fletschinger (FWTM Freiburg), Peter Rinker (Nachhaltigkeitsmanagement Stadt Freiburg) Gitta Walchner (Regionalgruppe Gemeinwohlökonomie Freiburg) und Alessandra Hensel (Geschäftsführerin GWÖ BaWü).

Von der Presse waren die Badische Zeitung, Der Sonntag, chilli Freiburg und Stadtwandler vertreten.

Die Gemeinwohlökonomie und die Gemeinwohlbilanz

GWÖ steht für Gemeinwohlökonomie und bezeichnet ein neues Wirtschaftsmodell, das den Beitrag zur Gesellschaft über die Gewinnmaximierung stellt. Geld ist nur Mittel zum Zweck, kein Ziel an sich.

Unternehmen, die gemeinwohlorientiert arbeiten wollen, können eine Bilanz ihrer Gemeinwohlaktivitäten erstellen. Damit machen sie transparent welchen gesellschaftlichen Nutzen sie beitragen und wie sie Schäden an Mensch und Natur vermeiden. Und das auf mit einer klaren Systematik.

Wie Peter Rinker sagte: Die Wirtschaft muss ihren Teil der Verantwortung übernehmen, kann es nicht nur auf NGOs und Politik abschieben. „Auch die Gemeinden müssen etwas tun – Wir von der Stadt Freiburg berichten darüber mit dem Nachhaltigkeitsstandard DNK“ (Deutscher Nachhaltigkeitskodex).

Alessandra Hensel berichtet: Von der Politik fordern wir steuerliche Anreize für GWÖ-Unternehmen und Förderungen dieser. In BaWü wurden dazu bereits echte Fortschritte gemacht. 

 

Neue Gemeinwohl-Unternehmen in Freiburg und Umgebung

 
Fünf Unternehmen habe sich Ende 2020 auf den Weg gemacht zur Gemeinwohlbilanz. Diese wurden im Mai 2021 alle erfolgreich testiert als GWÖ-Unternehmen und von folgenden Teilnehmer*innen vertreten:

  • Thomas Schlenkhoff, Gardion Freiburg – Anbieter für sicheren und nachhaltigen Internet-Zugang per VPN
  • Peter Behrendt, freiburg Institut Freiburg – Organisationsgestaltung, Coaching, Training, Recruiting
  • Nona Bosse, kuhs Architekten Freiburg – Architekturbüro für energieeffizienten Wohnungsbau und gemeinschaftliche Wohnformen (Baugruppen, Mietshäuser-Syndikat)
  • Thekla Korhummel, Land-Immobilien Waldshut – Maklerin und Wertermittlerin für ländliche Immobilienobjekte im Südschwarzwald
  • Andreas Schmucker, WeTell Freiburg – Nachhaltiger Mobilfunkanbieter: Klimaschutz, Datenschutz und Fairness/Transparenz (Dazu hier auch ein Interview bei ZUK)

Einige Kernpunkte aus der Diskussion 

  • Die GWÖ-Bilanz hilft nicht nur bei der umfassenden Bestandsaufnahme, sondern auch bei der persönlichen Bewusstwerdung – ich entdecke „blinde Flecke“, wie z.B. dass ich nachhaltige Alternativen zu meinem Bankinstitut wählen kannn
  • Der Aufwand je Bilanzerstellung kann stark variieren von 40-100+ Stunden, je nach Unternehmensgröße, über einen Zeitraum von 6-12 Monaten
  • Nach der ersten Bilanzierung ist es sinnvoll die Bilanzierung zu wiederholen und alle anwesenden GWÖ-Unternehmen haben bekundet, dass sie das anstreben. Die Rebilanzierung ist die Möglichkeit die angestrebten Verbesserungen aus der Vorbilanz auch zu evaluieren und nachzuweisen
  • In Freiburg gibt es aktuell ca. 20 Unternehmen die GWÖ-bilanziert sind, bzw. sich aktuell auf dem Weg befinden – Tendenz steigend

Beispiele etablierter Gemeinwohl-Akteure in Freiburg und Umgebung

 

Weiterhin hörten wir Beiträge von folgenden Vertreter*innen aus der Gemeinwohl-Szene:

  • Christoph Hartebrodt, Forst BW – Präsentation zur nicht-monetären Berichterstattung anhand der Gemeinwohlbilanz, u.a. Vergleich mit anderen Berichtsvarianten
  • Dr. Karsten Hoffmann, Steinbeis Transferzentrum ZEN – Zusammenarbeit, Entwicklung und Nachhaltigkeit
  • Thomas Zimmermann, ZUK Freiburg & swapwork – Organisationsentwicklung, Gemeinwohl-Beratung

Vielen Dank an alle Teilnehmer*innen und gutes Gelingen!

Thomas vom ZUK Team

ZUK Gastronomie Logo

Bericht vom ZUK Nachhaltigkeitstreffen – Juni 2021

Am 15. Juli trafen sich fünf Vertreter nachhaltiger Wirtschaft aus Freiburg und Umgebung mit uns vom ZUK Team um sich zum nachhaltigen Wandel auszutauschen. Dabei wurden persönliche Erfahrungen geteilt und praktische Tipps zu Nachhaltigkeitsstrategien gesammelt.

Zum Termin erschienen die unterschiedlichsten Akteure aus der Freiburger Wirtschaftsregion: Niklas Bleser von der Glaskiste (Unverpacktladen), Florian Freutel von Vertiko (Vertikale Begrünungssysteme/Living Walls), Lutz Benz von Faller Packaging (Verpackungslösungen für die Pharmaindustrie), Dominik Wanda von HighQ (IT-Lösungen für öffentlichen Verkehr), sowie Rainer Brühl von den Radgebern (Fahrradladen und Selbsthilfewerkstatt).

Der Begriff „Nachhaltigkeit“

Wir bei ZUK verstehen den Begriff holistisch, also sozial, ökologisch und ökonomisch. 

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung führt u.a. folgende Definition für nachhaltige Entwicklung:

„Ziel ist eine chancengerechte Entwicklung, die ein Leben in Frieden und ein dauerhaft tragfähiges Ökosystem ermöglicht.“

 

Nachhaltigkeitsstrategien

 
Wir haben in der Gruppe verschiedene Ebenen betrachtet und dazu Beispiele gesammelt.
 

1. Ökologische Nachhaltigkeit in der Wertschöpfungskette

1a) Kompensation

  • WeTell Freiburg: CO2-Emissionen durch Stromverbrauch in der Mobilfunknutzung werden kompensiert durch Pflanzenkohleprojekte in der EU (Carbon Future) 
  • Vertiko Freiburg: Aktuell wird eine Ökobilanzierung der verschiedenen Begrünungssysteme erarbeitet.

1b) Reduktion (Energie-/ Materialeinsparung)

  • HighQ Freiburg: Möglichst wenig Serverlast aufwenden bei Software
  • Glaskiste Freiburg: Verpackungen im Einzelhandel quasi ganz eliminieren
  • Glaskiste Freiburg: Kund*innen informieren über die Selbstherstellung von Produkten um Konsum zu vermeiden
  • Vertiko Freiburg: Kund*innen wird geraten, Bewässerungslösungen durch Regenwasserzisternen umzusetzen.

1c) Recycling/Kreislaufwirtschaft

  • Radgeber Freiburg: Fahrräder teilweise mit gebrauchten Teilen reparieren, oder statt Fahrräder zu verkaufen einfach die alten aufpolieren 
  • Vertiko Freiburg: Zertifizierung der Produkte nach Cradle2Cradle = nach der Nutzung der Produkte können alle Materialteile (theoretisch) zurückgeführt werden in Produktion
  • Faller Packaging Waldkirch: Verpackungsmaterialien nachhaltig produzieren, z.B. mit recyceltem Papier 
  • Vertiko Freiburg: Angestrebte Zertifizierung der Begrünungssysteme nach Cradle2Cradle = alle Bestandteile der Produkte können als eine Art Rohstoffspeicher nach der Nutzung in eine Wiederverwertungskette überführt werden.
1d) Schäden verhindern
  • vaude: PFC als schädliche Chemikalie bei der Kleidungsherstellung vermeiden
  • Vertiko Freiburg: Cradle2Cradle schließt schädliche Substanzen aus. 
 

2. Ökologische Nachhaltigkeit im Unternehmenshandeln

  • HighQ Freiburg: Weitgehend elektrische bzw. hybride Dienstwagenflotte, Strom aus regenerativer Energie, MA-Essen wird nicht verpackt sondern in Dosen verpackt = Müllreduktion
  • Vertiko Freiburg: Geschäftskonto bei einer Bank, die Geld einzig in nachhaltige und soziale Projekte investiert

3. Ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit

  • Gemeinwohlökonomie (GWÖ): Unternehmen schreiben einen Bericht über alle Nachhaltigkeitsebenen und wo sie sich wie verbessern wollen = GWÖ-Bilanz auf Basis der Gemeinwohlmatrix

Wie geht es weiter?

Folgetermin: Am Montag den 20. Juli 16-18 Uhr findet das nächste Online Treffen statt – Wir hoffen bis dahin den Kreis der Teilnehmenden erweitern zu können und einen fruchtbaren Austausch zu bieten.

 
 

Vielen Dank an alle Teilnehmer*innen und gutes Gelingen!
Roman, Karsten und Thomas vom ZUK Team

Warum ist unsere aktuelle Wirtschaft nicht zukunftsfähig? Was können wir tun? – Ein Gespräch mit Prof. em. Dr. Ernst Ulrich von Weizsäcker.

Er beriet schon die chinesische und arbeitete für die deutsche Regierung bei der Energiewende, publizierte dutzende Artikel sowie Bücher und hält heute noch Vorträge für mehr ökologisch-soziale Nachhaltigkeit. Wir sprachen mit ihm in Emmendingen und hörten erstaunlich konkrete und wirtschaftsnahe Vorschläge.

Ernst Ulrich von Weizsäcker mit seinem jüngsten Buch: "Wir sind dran".

Ernst, lass uns mit deinem Buch beginnen. Was hat es mit dem Titel auf sich?

Anders Wijkman und ich haben auf Englisch geschrieben, da heißt das Buch „Come on!“. Damit ist gemeint: Come on, Komm her, du spinnst wohl! Aber auch: Come on, packen wir‘s an!. „Wir sind dran“ ist genau so doppeldeutig gemeint: Wir sind an der Reihe, aber wenn wir’s schlecht anstellen, dann sind wir „dran“. Das Überleben der Menschheit und der Natur steht auf dem Spiel. 

Du meinst also, unsere Art zu leben und zu wirtschaften ist nicht zukunftsfähig?

Richtig. Wir verzeichnen seit den 1950ern global ein exponentielles Wachstum an Energieverbrauch, CO2-Emissionen und Mineralien, die schwere Klimafolgen und schaurige Abfalllawinen nach sich ziehen. 

 

Natürlich haben wir in den letzten Jahrzehnten Fortschritte gemacht in puncto Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Aber leider beobachten wir (übrigens seit Jahrhunderten) einen „Rebound-Effekt“: Wenn die Energieffizienz steigt, nimmt auch der Verbrauch zu – weil man sich mehr leisten kann! Und da liegt auch das große Problem: Energie kostet viel zu wenig, es besteht kein Anreiz, damit sparsam umzugehen.

 

Leider hat ein Großteil der Menschen weltweit immer noch nicht begriffen, dass wir mehr verbrauchen, als auf Dauer zur Verfügung steht. Aber bevor es zu echten Knappheiten kommt, gehen Tausende von Ökosystemen kaputt. Wir brauchen starke Gesetzgeber, die klare Leitplanken durchsetzen.

Und doch tut sich ja etwas: Mit Jahresbeginn ist die neue Co2-Steuer in Deutschland in Kraft getreten. Das Bundesverfassungsgericht hat kürzlich zugunsten künftiger Generationen eine konkretere Klimapolitik gefordert. Das Lieferkettengesetz tritt bald in Kraft. Wie beurteilst du diese jüngsten politischen Entwicklungen?

Das sind tatsächlich erfreuliche Fortschritte. Entgegen vieler Nörgler hierzulande muss ich sagen, dass die große Koalition hier eine echte politische Wende anstößt. Die besagten neuen Beschlüsse und Gesetze sind noch lange nicht ausreichend, aber ich betrachte sie als progressiv und hilfreich auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Gesellschaft.

 

Die positive Entwicklung zeichnet sich auch international statt. Nur um ein Beispiel zu nennen: Der erste politische Akt der neuen EU-Ratspräsidentin Ursula von der Leyen war ja der Green New Deal for Europe. Das beweist doch, dass der Klimawandel endlich politische Chefsache geworden ist. Und Bewegungen wie Fridays For Future haben daran einen großen Anteil.

Annalena Baerbock ist Kanzlerkanditatin der Grünen. Wie schätzt du ihre Chancen ein? Welche neue Regierung erwartet uns?

Sie bringt frischen Wind mit und meint es ernst. Sie ist neben Olaf Scholz die einzige Kanzler-Kandidatin, die entschlossen genug handeln wird in puncto Klimapolitik. Ich glaube, die Grünen werden ein historisch gutes Wahlergebnis erzielen. Aber wir wissen auch von CSU-Chef Markus Söder, dass er nicht bereit ist, als Juniorpartner mit den Grünen zu koalieren. Für die Grünen ist die Stuttgarter Koalition Grün-Schwarz relativ bequem, weil viele von ihnen (leider!) die SPD nicht als Partner, sondern als Konkurrent ansehen. Ich würde mir aber eher eine grün-rot-rote oder eine rot-grün-rote Regierung wünschen, weil die SPD das manchmal fehlende Feingefühl der Grünen für Sozialpolitik und Wirtschaft gut ausgleichen könnte.

Wenn du der neuen Regierung einen einzigen konkreten Ratschlag erteilen könntest, welcher wäre es?

Das Gleiche, was ich schon der chinesischen Regierung geraten habe: Eine geringe, aber stetige Preiszunahme der Energiepreise. Am Besten international vereinbart. Wenn sich die Preise schrittweise an die „ökologische Wahrheit“ annähern, also z.B. den zu behebenden Klimaschaden im Energieverbrauch mit einkalkulieren, dann werden bald neue Verhältnisse geschaffen. In Japan hat der sehr hohe Energiepreis während der Ölkrise (nach 1973) einen gewaltigen Innovationsschub ausgelöst. Damit beziehe ich mich nicht auf die Atomenergie, das war ein Fehler. Ich spreche von den massiven Energie-Einsparungen bei Heiz- und Produktionszyklen durch höheren Wirkungsgrad. Genau das sollten auch wir anregen. 

Und was kann die Wirtschaft tun? Was rätst du uns Unternehmern und Unternehmer*innen?

Zuerst mal müssen wir uns eingestehen, dass die bisherigen Bemühungen für „nachhaltiges Wirtschaften“ einfach nicht ausreichen oder gar hinfällig sind. Nehmen wir mal das Thema Co2-Kompensation. Wenn ein Logistik-Unternehmen seine Fahrten für klimaneutral erklärt, weil es das Co2-Äquivalent durch eine Eukalyptus-Plantage in Südafrika kompensiert, dann wurde offensichtlich übersehen, dass deren enormer Wasserverbrauch zu Dürren und Waldbränden in der Region führt. Diese „Kompensationen“, auch Offsets genannt, sind ökologisch gesehen ein großer Schwindel.  

 

Damit aber die ökologische Rahmensetzung nicht lauter Firmenpleiten mit sich bringen, schlage ich vor, dass sich die Verbände der Industrie mit den Regierungen zusammensetzen und Wege formulieren, die zwar ein hohes sozial-ökologisches Innovationstempo nötig machen, aber weitgehend ohne Firmenpleiten.  

 

Zu guter Letzt brauchen wir ein generelles Umdenken. Wie definieren wir eigentlich Erfolg? Halten wir weiterhin an veralteten Messgrößen wie Rendite und Dividende fest? Oder wollen wir eher unseren Erfindergeist durch revolutionäre Kreislaufwirtschaft beweisen?    

 

Klimaneutralität und Kreislaufwirtschaft werden sich nicht durchsetzen, wenn die involvierten Firmen nicht prächtig daran verdienen. Rendite und Dividenden sind etwas Gutes. Aber der vom Staat und von den Kundenpräferenzen gesetzte Rahmen muss sich so entwickeln, dass klimaneutrale und kreisläufige Prozesse und Produkte mehr Dividenden abwerfen als die heutige Form von Fossil- und Wegwerfwirtschaft.

 

Das Gespräch führte Thomas Zimmermann, ZUK-Team. Fragen & Kommentare gerne per Mail

Über die Person:

Ernst Ulrich von Weizsäcker (geb. 1939) ist Biologe, Umweltwissenschaftler und Politiker. Er lebt mit seiner Frau Christine und der Familie ihrer gemeinsamen Tochter Paula Bleckmann in Emmendingen in einem Dreigenerationenhaus. Er war Gründungspräsident der Universität Kassel und Gründungspräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie. Von 1998 bis 2005 war er SPD-Abgeordneter im Deutschen Bundestag, und von 2012-2018 war er Ko-Präsident des Club of Rome, zusammen mit Anders Wijkman. Gemeinsam gaben sie 2018 den letzten großen Bericht des Club oF Rome heraus, auf Deutsch: „Wir sind dran“ (Taschenbuch 2019).

Ernst Ulrich von Weizsäcker

Wie funktioniert nachhaltiger Mobilfunk? – Ein Gespräch mit WEtell Gründerin Alma Spribille.

Seit Juli 2020 bietet WEtell Deutschlands erste nachhaltige Mobilfunktarife an. Mittlerweile betreut das Freiburger Start-up rund 3.000 Kund:innen deutschlandweit und beschäftigt 14 Mitarbeitende. Aber was bedeutet nachhaltiger Mobilfunk im Detail? Gründerin Alma Spribille hat es uns erklärt.

Das WEtell Gründungsteam.
Was war die Motivation hinter der Gründung von WEtell?

Uns ist aufgefallen, dass man fast alle Dienstleistungen mittlerweile nachhaltig beziehen kann. Es gibt Ökostromverträge, nachhaltige Banken und nachhaltige Smartphones wie Fair- oder Shiftphone. Einen nachhaltigen Mobilfunkanbieter gab es bisher noch nicht. Also haben wir uns Anfang 2018 aufgemacht, einen solchen zu gründen.

Dabei geht es für uns nicht nur um Klima-, sondern auch um Datenschutz, Fairness und Transparenz. Wir wollen mit unseren Kund:innen so umgehen, wie wir selbst gerne behandelt werden möchten und nur wirklich transparente Leistungen anbieten.

 

„Über 60% der Energie im Mobilfunk werden für den Betrieb der Server, der Mobilfunkmasten und der Netzinfrastruktur benötigt.“

Nun denkt man beim Mobilfunk nicht zwangsläufig an Nachhaltigkeit. Wie sieht eure grüne Umsetzung konkret aus?

Zu Beginn haben wir uns die Frage gestellt, wie viel CO2-Äquivalente die Mobilfunknutzung verursacht. Dazu gibt es Studien, die besagen, dass im gesamten Bereich der Mobilfunknutzung nur knapp 40% der verbrauchten Energie auf das Endgerät entfällt, also auf die Nutzung und das tägliche Laden des eigenen Handys. Über 60% der Energie werden für den Betrieb der Server, der Mobilfunkmasten und der Netzinfrastruktur benötigt.

Hier wollen wir ansetzen und dafür sorgen, dass durch unseren Service mehr CO2 aus der Atmosphäre gebunden wird, als unsere Kund:innen verursachen. Leider können wir den Netzbetreiber nicht dazu bringen, klimaneutralen Strom zu beziehen, also agieren wir in unserem Vorhaben über mehrere Säulen.

Zum einen investieren wir in den Ausbau von Solarmodulen. Somit sorgen wir dafür, dass der Anteil an grüner Energie im deutschen Stromnetz steigt und der CO2 Ausstoß in der Energiegewinnung gesenkt wird.

Zum anderen kaufen wir über eine Partnerschaft mit „Carbon Future“ sogenannte Kohlenstoffsenken. Hierbei wird mit Hilfe eines zertifizierten Verfahrens Pflanzenkohle gewonnen, die Kohlenstoff durch die Biomasse der Pflanzen aus der Atmosphäre bindet und auf die nächsten 50-100 Jahre speichert. Damit sorgen wir bereits jetzt dafür, dass unser gesamtes Unternehmen und der Betrieb des Mobilfunknetzes anteilig für unsere Kund:innen klimaneutral ist.

Findet die Kompensation auch am Entstehungsort der Emissionen statt?

Die Pflanzenkohleprojekte von Carbon Future sind europaweit angesiedelt, wir haben aber nur Kund:innen in Deutschland. Unser Ziel ist es die Kompensation zukünftig so regional wie möglich, also nur in Deutschland stattfinden zu lassen.

Wie überzeugt ihr eure Kund:innen davon, auch beim Mobilfunkvertrag auf eine grüne Umsetzung zu achten?

Wir betreiben viel Aufklärungsarbeit und müssen unser Konzept verstärkt erklären. Dazu gehört es vor allem auf das Problem des hohen Energieverbrauchs beim Mobilfunk aufmerksam zu machen. Der Vorteil ist, dass wir genau die gleiche Performance bieten, wie andere Mobilfunkanbieter auch. Daher fällt für Kund:innen der Wechsel zu uns leicht.

Zusätzlich können wir mit unseren Alleinstellungsmerkmalen im Hinblick auf Datenschutz, Fairness und Transparenz punkten. Beispielsweise sind unsere Tarife alle monatlich kündbar und wenn man sich bei Fragen an unseren Kundenservice wendet, erreicht man unsere Mitarbeiter:innen hier in Freiburg und kein ausgelagertes Callcenter.

Durchschnittlich liegen eure Tarifpreise etwas über dem Marktpreis. Für 20€ bekommt man bei euch 5GB Datenvolumen und eine All-Net-Flatrate. Mit meinem Vodafone smartmobil prepaid-Tarif bekomme ich 5GB Datenvolumen für 10€ im Monat. Ist das eine Preisanpassung, die für euer Modell erforderlich ist?

Unser Modell erfordert tatsächlich einen höheren Preis. Klimaschutz kostet im Vergleich zu keinem Klimaschutz und auch unser Service, beispielsweise die monatliche Kündigungsoption ist teurer.

Auf unserer Homepage findet man eine transparente Preisdarstellung dazu, in welche Bereiche die Kosten, die unsere Kund:innen tragen, anteilig fließen. Dabei handelt es sich um eine Bottom-up Kalkulation. Wir haben geprüft, welchen Preis wir einnehmen müssen, um die entstehenden Kosten unserer Leistungen zu decken. Es geht aber nicht darum aufzuzeigen, dass wir teurer sein müssen. Wenn wir in Deutschland einen richtigen CO2 Preis hätten, den alle Anbieter zahlen müssten, gäbe es womöglich gar keinen Preisunterschied mehr.

Kostenstruktur der WEtell Tarife. Quelle: wetell.de/vision/preistransparenz/

Für eure Dienste nutzt ihr die Sendemasten eures Mobilfunkpartners Tele2, einem Service Provider aus Düsseldorf. Besteht die Möglichkeit, dass ihr eure Dienstleistung in Zukunft auch eigenständig anbieten könnt?

In unserem 5-Jahres Plan haben wir angedacht, selbst Serviceprovider zu werden. Dafür sind die Hürden in Deutschland allerdings sehr hoch. Zum einen gibt es strenge rechtliche Anforderungen, zum anderen muss man Umsatzgarantien angeben, um Service Provider werden zu dürfen. Das ist für ein Start-up zu Beginn unrealistisch. Deshalb sind wir mit Tele2 eine glücklicherweise sehr konstruktive Kooperation eingegangen. Gemeinsam pflegen wir ein offenes Verhältnis und prüfen  regelmäßig, welche Leistungen noch verbessert werden können.

 

„Wir allein können den Markt nicht revolutionieren, aber wir können dafür sorgen, dass ein Bewusstsein für die Problematik des hohen Energieverbrauchs im Mobilfunk entsteht.“

Welche Ziele habt ihr euch für WEtell gesetzt?

Unser primäres Ziel ist es den Mobilfunkmarkt aufzumischen und Nachhaltigkeit in einer weiteren Branche zu etablieren. Als Unternehmen selbst wollen wir wirtschaftlich erfolgreich werden, um mehr Einfluss zu nehmen und aufzuzeigen, dass der Mobilfunk ein Dienstleistungsbereich ist, den man nachhaltig und fair gestalten kann.

Wir allein können den Markt nicht revolutionieren, aber wir können dafür sorgen, dass ein Bewusstsein für die Problematik des hohen Energieverbrauchs im Mobilfunk entsteht. So wollen wir dazu beitragen, dass auch andere Netzbetreiber anstatt grüner Versprechen ihre Dienstleistungen wirklich nachhaltig gestalten. Gelingt uns das, hätten wir unser größtes Unternehmensziel erreicht.

Gibt es Unternehmen, die euch inspirieren?

Da fallen mir als erstes die Stromrebellen der Elektrizitätswerke Schönau ein, die als Pioniere in der Ökostrombranche gelten. In den 90er Jahren hat sich sich die EWS stark dafür eingesetzt, dass der Strommarkt in Deutschland liberalisiert wird und die Stromnetze nicht immer den großen Konzernen wie RWE gehören müssen. Sie haben gezeigt, dass eine Dienstleistung wie Ökostrom zwar teurer sein kann, aber die Kundschaft diesen Schritt mitgeht, wenn es ersichtlich ist, dass sich das Unternehmen für Werte einsetzt.

Aber auch die GLS Bank inspiriert uns. Eine Bank in einer skandalträchtigen Branche die zeigt, dass man Bankendienstleistungen auch wertebasierten umsetzen kann. Man muss als Bank nicht zwangsläufig mit Rüstungskonzernen handeln oder mit Trinkwasser spekulieren, um am Markt zu bestehen.

Ich denke solche Pionierunternehmen sind sehr wichtig, um einen Markt in eine bestimmte Richtung zu lenken. Diese Rolle wollen wir mit WEtell auch einnehmen.

Was sind zukünftig eure größten Herausforderungen?

Wir haben in der letzten Woche unsere Crowd-Investing Kampagne über die GLS Bank abgeschlossen und nun erstmal genug Kapital für die kommenden Jahre zur Verfügung. Unsere Aufgabe ist es nun den Break Even Point  zu erreichen, um einen wirtschaftlichen Betrieb zu gewährleisten. Außerdem wollen wir mehr Einfluss und eine größere Stimme im Markt einnehmen. Beides erreichen wir indem wir neue Kund:innen für uns gewinnen und stetig wachsen. Das ist zunächst unsere größte Herausforderung.

Ihr seid derzeit kurz vor der Fertigstellung eurer Gemeinwohlbilanz. Welche Veränderungen hat der Bilanzierungsprozess in eurem Unternehmen angestoßen?

Bereits 2019, zu Beginn unserer Unternehmensausrichtung, haben wir uns gefragt, nach welchen Nachhaltigkeitskriterien wir WEtell ausrichten wollen. Wir haben gemerkt, dass es am einfachsten ist, das Unternehmen direkt in der Gründungs- und Aufbauphase an solchen Kriterien zu orientieren.

Für die GWÖ haben wir uns entschieden, da sie Bereiche beinhaltet, die uns selbst sehr wichtig sind und die wir als angehende Führungspersonen voranbringen möchten. So bietet sie uns eine Basis, auf deren Grundlage wir Verträge mit Geschäftspartner:innen abschließen. Beispielsweise müssen wir in Verhandlungen fragen,  ob der Betrieb des Vertragspartners auch Ökostrom bezieht oder wie es um die Beteiligung der Mitarbeitenden im Unternehmen steht. Das macht es einfacher unsere Ziele durchzusetzen. Die GWÖ dient uns als sinnvolles Hilfsmittel, unseren Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit in der Branche Nachdruck zu verleihen.

Eine genauere Darstellung der Gemeinwohlbilanz findet man in unserem vorherigen Artikel.

Über die Person:

Alma Spribille ist studierte Wirtschaftsingenieurin mit Spezialisierung auf erneuerbare Energien und Klimafolgen-forschung. Nach ihrem Studium war sie 11 Jahre für das Fraunhofer Institut für solare Energiesysteme tätig bevor sie mit zwei Gründungspartnern WEtell gründete. Im Unternehmen ist sie verantwortlich für Finanzen, Klimaschutz und Personal.

 
 

Einführung in die Gemeinwohl-Ökonomie. Ein Gespräch mit Dr. Karsten Hoffmann.

Unser aktuelles Wirtschaftssystem steckt in der Krise. Die Klimakatastrophe, eine globale Ungleichverteilung von Geld und Gütern und die Übernutzung natürlicher Ressourcen sind alarmierende Konsequenzen unserer Art des Wirtschaftens. Doch es gibt Alternativen. Die Gemeinwohl-Ökonomie bietet ein umfassendes Konzept, mit deren Hilfe ökologische Nachhaltigkeit, soziale Verantwortung und demokratische Mitbestimmung als eine neue Art des Wirtschaftens vereint werden. Karsten Hoffmann, Buchautor und Unternehmensberater stellt das Konzept vor.

Worin unterscheidet sich die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) zu unserem aktuellen Wirtschaftssystem? 

In erster Linie folgt die Gemeinwohl-Ökonomie anderen Leitmotiven als die aktuell vorherrschende freie Marktwirtschaft. Anstelle der Eigennutzorientierung, des Gewinnstrebens und der Konkurrenz durch Wettbewerb treten Gemeinwohlorientierung und Kooperation.

Im Detail bedeutet das, dass sich wirtschaftliche Akteure aller Art nicht mehr ihrer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung entziehen können.

Die Gemeinwohl-Ökonomie sieht vor, dass für das Agieren eines Unternehmens nicht allein der betriebswirtschaftliche Gewinn ausschlaggebend ist. Stattdessen sollten Aspekte wie Umweltauswirkungen,  Fairness und soziale Gerechtigkeit unbedingt berücksichtigt werden.

Demnach müssen Unternehmen Produkte und Dienstleistungen konsequent sozial-ökologisch  gestalten, unnötige CO2-Erzeugung vermeiden und positive Beispiele geben, wie eine klimataugliche Zukunft aufgebaut werden kann.

Diese Aspekte sollten auch beim betrieblichen Einkauf, der öffentlichen Vergabe von Aufträgen und der Auswahl von Partnern für die Zusammenarbeit die wichtigste Rolle spielen.

Angesichts externer Herausforderungen wie der Klimakatastrophe oder auch der Coronakrise wird es deutlich, dass wir verstärkt kooperieren müssen, anstatt auf die Effizienz des Wettbewerbs zu vertrauen.

Gemeinwohl-Ökonomie:

Die Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) basiert auf Ideen aus den 1990er und 2000er Jahren, die der österreichische Autor und Aktivist Christian Felber erstmals 2010 in einem Buch „Gemeinwohlökonomie“ zusammenfasste. Aus den Diskussionen um dieses Buch entstanden nationale und internationale Trägervereine mit Regionalgruppen, die sich für die Umsetzung der Theorie einsetzen. Deutschlandweit gibt es ca. 250 gemeinwohlbilanzierte Unternehmen und Organisationen. Mehr Infos unter: www.ecogood.org oder in diesem Erklärvideo.

Was sind deiner Meinung nach die kritischsten Aspekte unseres aktuellen Wirtschaftssystems und welche Lösungsvorschläge liefert die GWÖ hierzu?

Für die meisten Unternehmen ist in der Regel allein der betriebswirtschaftliche Gewinn entscheidend. Soziale und ökologische Folgen werden oft nur soweit berücksichtigt, wie sie gesetzlich vorgeschrieben sind – oder gegebenenfalls ignoriert, wie es beispielsweise am Diesel-Skandal deutlich wurde:
Wenn die Lösungen für die gesetzlich vorgeschriebenen Abgaswerte zu teuer oder zu unrentabel sind, wird eher betrogen und im großen Stil Steuerungs-Software manipuliert, um durch die billigere Lösung mehr Gewinn zu realisieren. Die dadurch entstehenden, gesundheitlichen Kosten werden von den herstellenden Marken in Kauf genommen und es zeigt sich, wie wenig gesellschaftliche Verantwortung Unternehmen übernehmen.

Ein weiteres Beispiel: Durch künstlich erzeugten Marktdruck, beispielsweise der Senkung des Ankaufpreises von Milch durch die fünf marktbestimmenden Handelskonzerne, werden Landwirte entgegen ihres Willens zu Produktionsformen gezwungen, die den Ackerboden ruinieren, das Trinkwasser belasten, die Natur zerstören und dem Tierwohl schaden.
Das heißt, ein Großteil der Zerstörung unserer Umwelt erfolgt aus der typisch marktwirtschaftlichen Anforderung: Immer mehr produzieren zu immer billigeren Preisen.

Wir alle wissen, dass ein ewiges Wachstum auf unserem begrenzten Planeten nicht möglich ist, und wir alle sehen die auftretenden Folgen.

Die GWÖ bietet ein umfassendes Konzept zur neuen Bewertung wirtschaftlicher Tätigkeiten. Entscheidend ist hierbei, dass zu allen Punkten eines Betriebs die systematische Einbeziehung von 5 unterschiedlichen Interessensgruppen, nämlich Lieferant:innen, Mitarbeitende, Kund:innen, Eigentümer:innen sowie das gesellschaftliche Umfeld erfolgen sollte.

Die GWÖ benennt dazu vier (Werte-) Säulen, die berücksichtigt werden sollten, nämlich

  1. Die Menschenwürde (Arbeitsbedingungen) 
  2. Soziale Gerechtigkeit und Solidarität
  3. Ökologische Nachhaltigkeit (der Produkte, Produktion, Dienstleistungen) sowie
  4. Beteiligung und Transparenz (in der betrieblichen Organisation).

Auf dieser Basis können Unternehmen, Kommunen oder regionale Organisationen eine Gemeinwohl-Bilanz erstellen. Interessant dabei ist, dass sie sich noch vor der Erstellung der Bilanz verpflichten, diese zu veröffentlichen. Wie sieht ein solcher Bilanzierungsprozess aus?

Über einen Zeitraum von gewöhnlich mehreren Monaten werden die Bereiche des Unternehmens bezüglich der vier genannten Wertesäulen betrachtet und analysiert, und dies für jede der fünf Interessensgruppen. Das Ergebnis wird dann in einer 5×4 Felder Matrix zusammengefasst, auf der die fünf Interessensgruppen vertikal und die vier Wertesäulen horizontal angeordnet sind. Die Bilanzerstellung kann allein vom Unternehmen vorgenommen werden, durch die Unterstützung zertifizierter Gemeinwohlberater:innen kann dies jedoch schneller und effizienter erstellt werden. Die GWÖ-Bewegung hat dazu Handbücher mit guten Anleitungen erstellt, die kostenlos zum Download zur Verfügung stehen.

Es gibt also 20 Bereiche in denen analysiert, bewertet und weiteres geplant wird. Am Ende wird aus allen Bereichen eine Bilanzsumme errechnet, welche maximal 1.000 Punkte erreichen kann. Die Bilanz betrachtet meist zwei vergangene Jahre und ist nach Erstellung für weitere 2 Jahre gültig.

Bei größeren Unternehmen ist es wichtig, dass aus der Bilanz ein Projekt gemacht wird, in dem die Führungspersonen einbezogen und in die Verantwortung genommen werden, einen nachhaltigen Wandel im Unternehmen anzugehen.

Eine detaillierte Darstellung der Bilanzierung gibt es in diesem Erklärvideo ab Minute 1:35.

Beispiel einer Gemeinwohlbilanz des Tofuherstellers Taifun aus Freiburg.
Quelle: https://www.taifun-tofu.de/de/gemeinwohlbilanz

Welche Vorteile ergeben sich für Unternehmerinnen und Unternehmer aus einer Gemeinwohlbilanz?

Viel wichtiger als das Ergebnis ist eigentlich der Prozess, der durch die Bilanz angestoßen wird. Dass sich im Unternehmen systematisch mit wichtigen Bereichen auseinandergesetzt wird, die häufig durch die alleinige Fokussierung auf den Finanzgewinn übersehen werden, das macht diesen Prozess so wertvoll.

Zudem kommt eine ganze Reihe an weiteren Vorteilen hinzu. Man fördert das Betriebsklima, in dem eventuelle Missstände im Unternehmen aufgedeckt werden, die bisher von den Führungspersonen übersehen wurden.

Das Unternehmen wird attraktiver für künftige Fachkräfte, in dem man nachweislich faire Arbeitsbedingungen, wie Mitbestimmung oder Familienfreundlichkeit vorweisen kann.

Man signalisiert, dass das Unternehmen sich bemüht, Dienstleistungen und den Erzeugungsprozess der Produkte ökologisch nachhaltig zu gestalten und zeigt: Wir leisten unseren Beitrag für Klimaschutz und die Zukunftsfähigkeit unserer Erde. Ich denke, dass gerade die Sinnhaftigkeit eines Unternehmens bei der jungen Generation für die Jobwahl entscheidend ist. Wer in Zukunft qualifizierte Fachkräfte für sich gewinnen will, muss auch mehr für Nachhaltigkeit und Klimaverträglichkeit tun.

Die Gemeinwohlbilanz lässt sich auch zu Marketingzwecken nutzen. So können Dienstleister und produzierende Firmen bei einer größer werdenden Kundschaft punkten, die sich fragt, wie ist der ökologische Fußabdruck dieses Unternehmens oder wie fair sind dessen Handelsbeziehungen.

Schlussendlich sollte es auch die Motivation der Unternehmerinnen und Unternehmer selbst sein, zu zeigen, dass das was das Unternehmen macht einen guten Beitrag für die Zukunft unserer Gesellschaft und unseres Planeten bildet.

Du hast kürzlich mit zwei Kolleg:innen ein Buch veröffentlicht, in dem 24 Praxisfälle von Unternehmen bzw. Gemeinden vorgestellt werden, die sich für das Gemeinwohl einsetzen. Was war für dich ein besonders eindrücklicher Fall?

Zunächst möchte ich betonen, dass wir als Herausgeber zu dritt dieses Buchprojekt gestemmt haben und dabei durch 22 weitere Autor:innen unterstützt wurden. Während der Arbeitszeit zu dem Buch habe ich so viele eindrückliche Geschichten gelesen oder erzählt bekommen, dass es mir schwerfällt, eine besonders hervorzuheben. Daher hier am besten eine Geschichte, aus der ich einiges lernen konnte.

Sie befasst sich mit der Frage: was ist eigentlich in unserer Outdoor-Kleidung drin? Neben dem Stoff sind es eine Menge Chemikalien, in vielen Fällen auch gefährliche Giftstoffe. Sogenannte Fluorcarbone – auch kurz PFC genannt – befanden sich 2010 in nahezu allen wasserabweisenden Textilien. Greenpeace startete hierzu 2011 eine großangelegte Kampagne, in der die Hersteller zur PFC-freien Produktion aufgefordert wurden.

Die Geschäftsführerin der Marke VAUDE, Antje von Dewitz, setzte sich zu diesem Zeitpunkt bereits für eine nachhaltige Kleidungsproduktion ein, wurde aber von Greenpeace für die damals noch enthaltenen Giftstoffe in der Kleidung öffentlich kritisiert. Im Buch wird die langjährige Auseinandersetzung zwischen Greenpeace und VAUDE beschrieben, an deren Streit-Ende eine Einigung entstand. 2016 hat Vaude das „Greenpeace Detox Commitment“ unterschrieben, in dem sich die Marke freiwillig dazu verpflichtet, alle bedenklichen Giftstoffe bis 2020 aus dem Produktionsprozess zu entfernen. Es war also ein harter Konflikt und eine längere Auseinandersetzung, die sich letzten Endes aber für beide Parteien gelohnt hat.

Über die Person:

Dr. Karsten Hoffmann hat nach Studium der Mathematik und Promotion im Bereich Fertigungstechnik (Computersimulation) 10 Jahre in einer Unternehmensberatung erfolgreich IT-Projekte realisiert. 1999 machte er sich als Projektmanager und Projektmanagement-Trainer selbstständig und gründete und leitete bis Ende 2018 das Steinbeis-Transferzentrum IT-Projektmanagement in Stuttgart.

Seit 2019 lebt er in Freiburg und hat dort das Steinbeis-Transferzentrum Zusammenarbeit – Entwicklung – Nachhaltigkeit gegründet.

Über das Buchprojekt

Anfang des Jahres erschien das von Karsten Hoffmann initiierte Buch 24 wahre Geschichten vom Tun und vom Lassen – Gemeinwohl-Ökonomie in der Praxis. Es stellt 24 visionäre Unternehmen, Organisationen und Gemeinden vor, die sich für das Gemeinwohl einsetzen.

Mehr Infos unter: www.24-wahre-geschichten.de

Über Sinn und Beruf – Kann man mit einer Design- Agentur die Welt verändern? Ein Interview mit Lars Schönbörner

Lars Schönbörner ist Mitinhaber der Agentur MAJORMAJOR mit Sitz in Stuttgart. Da die Arbeit ihn vor einigen Jahren in eine Sinnkrise geführt hatte, wollte er das Unternehmen bereits verlassen. Die Umstellung hin zu einer Sinnorientierung führte jedoch zu einer völlig neuen Arbeitsweise und Motivation. Ein Gespräch über Sinnhaftigkeit im Job, zukunftsgerichtetes Marketing und die Effektivität von Purpose-Workshops.

Hallo Lars. Wie sieht eure Agentur heute aus?

Wir sind ein Kommunikationsdienstleister, der ausschließlich mit Kundengruppen im Bereich Social Entrepreneurship zusammenarbeitet, deren Unternehmenszweck darauf abzielt, die Welt zu verbessern. Im Gegensatz zu einer klassischen Agentur suchen wir uns unsere Kund*innen aus und arbeiten für Unternehmen, von denen wir überzeugt sind, dass diese durch ihr Handeln einen positiven Beitrag für Gesellschaft und Umwelt leisten. Beispiele für unsere Kunden sind die Impact-Investment Firma SAGANA, das Stuttgarter Festival für Kreislaufwirtschaft future. positive oder der Verein Social Entrepreneurship Baden-Würtemberg e.V..

 

Die Sinnorientierung eurer Agentur hat sich erst in den letzten Jahren geändert. Vorher hast du eine klassische Werbeagentur mit zwischenzeitlich vier Angestellten geleitet und davon leben können. Warum hat dich die Tätigkeit dennoch in eine persönliche Krise geführt?

Die Arbeit frustrierte mich zunehmend, da ich einen starken Widerspruch gespürt habe, zwischen meiner persönlichen Einstellung und meiner beruflichen Tätigkeit. Einerseits erkannte ich die Problematik unseres kapitalistischen Systems, welches auf der Ausbeutung von Mensch und Natur basiert und dass sich daran etwas ändern muss. Andererseits trieben wir als Kommunikations-Agentur dieses System in vorderster Linie mit an. Wir produzierten Werbung und sorgten dafür, dass sich Produkte besser verkaufen. Auch der eigene finanzielle Erfolg war mir irgendwann zuwider und ich sabotierte mich zunehmend selbst, weil ich es ablehnte, viel Geld mit Marketing machen zu wollen. Mein Mitgründer Thomas Beerwart und ich wollten Spaß an der Arbeit haben, gut davon leben können und so wenig wie nötig im kapitalistischen Spiel mitspielen. Aber genau darin lag die Problematik: bei etwas nicht mitzumachen ist keine Zielsetzung mit der sich viel verändern lässt.

 

„Auch der eigene finanzielle Erfolg war mir irgendwann zuwider und ich sabotierte mich zunehmend selbst, weil ich es ablehnte, viel Geld mit Marketing machen zu wollen.“

 

Als diese Unzufriedenheit größer wurde, haben wir versucht, das Ganze anzugehen und beruflich in der Agentur etwas zu ändern. Wir nahmen uns vor, nur noch NGOs und gemeinnützige Organisationen zu bewerben. Das klappte auch zunächst, jedoch mussten wir feststellen, dass sich damit kein Geld verdienen lässt, da es in der Branche üblich ist, Kommunikationsdienstleister kostenlos für sich arbeiten zu lassen.

Infolgedessen konzentrierten wir uns darauf, im Bio-Sektor Kund*innen zu gewinnen. Jedoch ließ sich auch daraus kein Geschäftsmodell bauen, da wir zu wenig Zulauf bekamen und immer wieder Aufträge konventioneller Unternehmen annehmen mussten. So habe ich noch 3-4 Jahre weitergearbeitet und konnte eine Zeit lang zwar mein schlechtes Gewissen etwas beruhigen, aber es änderte sich nichts an meiner beruflichen Unzufriedenheit. Diese wirkte sich auch zunehmend auf mein Privatleben aus. Wenn man als Selbstständiger viel arbeitet, aber nicht komplett hinter dem Zweck der Tätigkeit steht und dieses einem zunehmend weniger Freude bereitet, ist das eine schlechte Kombination für das eigene Wohlbefinden. Irgendwann kam dann der Punkt an dem mir klar wurde, dass ich so nicht weitermachen kann und sich etwas ändern muss.

 

Was hast du dann geändert?

Ich habe mir 9 Monate Auszeit vom Job genommen und diese Zeit in Spanien verbracht. Persönlich hat mir diese Zeit sehr gutgetan. Ich habe mich mit dem Thema der Achtsamkeit auseinandergesetzt und verstärkt in mich reingespürt, um mich mehr mit meiner Unzufriedenheit auseinanderzusetzen. So habe ich festgestellt, dass ich mit mir selbst persönlich im Reinen bin und eigentlich ein sehr zufriedenes Leben führen kann, es mir aber an Ideen fehlt, wie das in Verbindung mit der eigenen Firma funktionieren kann.

Eine Überlegung war, meinen Beruf nach meinem Hobby, dem Motorradfahren, auszurichten und mich in diesem Bereich nach einem neuen Job umzusehen. Als ich wieder nach Deutschland kam, erklärte ich meinem Mitgründer Thomas, dass ich zwar die Buchhaltung der Firma übernehmen könnte, aber mir nicht vorstellen kann, wieder fest einzusteigen. Dann stand im April 2019 ein folgenreicher Purpose Workshop an, den Thomas initiierte und ein gemeinsamer Freund von uns leitete.

 

Also hat ein Workshop dazu geführt, dass du wieder in deine eigene Firma eingestiegen bist?

Es war jetzt nicht so, dass ich sofort danach angefixt war, aber es ist erstaunlich, was dieser Workshop bei uns anstoßen konnte. Wir haben uns zunächst überlegt, was unser persönlicher Auftrag ist und was wir auf der Welt verändern wollen. Darauf aufbauend haben wir unsere unternehmerische Bestimmung erarbeitet und Steffen Stäuber, der den Workshop geleitet hatte, animierte uns dazu, dieser nachzugehen. Das hat bei mir zu einem Umdenken geführt. Erstmals ist mir klar geworden, dass ich ja meine eigene Firma dazu nutzen kann, etwas in der Welt zu verändern.

 

„Wir wollen nicht nur Kommunikations-Design machen, sondern Zukunft gestalten.“

 

Marketing-Kommunikation muss nicht an sich schlecht sein, sondern kann auch dazu führen, die guten und zukunftsgerichteten Firmen bekannter zu machen. Im Nachhinein klingt das trivial, aber ohne die Hilfe von Steffen wäre ich nicht auf diese Idee gekommen.

Im Anschluss haben wir uns zusammengesetzt und erstmals ein Ziel für die Firma festgelegt: Wir wollen nicht nur Kommunikations-Design machen, sondern Zukunft gestalten und mit unseren Mitteln Firmen bekannter und sichtbarer machen, die selbst etwas verändern. Dieses Ziel haben wir dann verbalisiert in unserem Claim ‘We Design Greater Tomorrows‘.

Steffen Stäubers Agentur Create Meaning findet ihr hier.

 

Inwiefern hat sich dadurch eure Arbeit verändert?

Zunächst brauchten wir mit unserer Neuausrichtung einen ersten Auftrag. Glücklicherweise konnten wir mit Steffen zusammen direkt die international agierende Impact-investment Firma Sagana für uns gewinnen. Ähnlich wie bei uns, hat er die Arbeit mit einem Workshop begonnen, in dem er mit den Verantwortlichen den Unternehmenssinn der Firma genau definierte. Im Anschluss bauten wir gemeinsam das komplette Corporate Design der Firma auf und kreierten das Einstiegsvideo für die Website.

Durch diesen ersten Auftrag hat sich auch unsere zukünftige Arbeitsweise verändert dahingehend, dass wir am Anfang einer Zusammenarbeit immer erst den Unternehmenszweck einer Firma definieren und als Ausgangspunkt für das Design und kommunikative Maßnahmen verwenden.

Zur selben Zeit bin ich auf das Impact-Hub in Stuttgart aufmerksam geworden, einem Co-working Space für sinnorientierte Unternehmen und habe festgestellt, dass das  der optimale Arbeitsort für unsere Firma wäre. Nun sind wir seit über einem Jahr dort ansässig und empfinden diesen Ortswechsel als wahnsinnige Bereicherung. Wir haben das Gefühl am richtigen Ort zu sein, umgeben von jungen, innovativen Leuten, die alle versuchen, mit ihrer Arbeit etwas Positives für die Zukunft zu gestalten.

 

Wieso ist es euch im ersten Versuch, vor deinem Sabbatical, nicht gelungen, nur ethisch vertretbare Kund*innen zu bewerben und euch damit durchzusetzen?

Ich glaube was uns vorher gefehlt hat, war eine konkret formulierte Grundausrichtung unserer Firma. Damals konnte man noch nicht sehen, was wir eigentlich erreichen wollen, da wir es selbst auch noch nicht genau wussten. Somit waren wir für die entsprechenden Kundengruppen auch nicht attraktiv genug, da wir keine klare Vision verkörperten. Seit unserer Neuausrichtung haben wir sowohl nach außen hin eine völlig neue Strahlkraft, als auch nach innen ein neues Gemeinschaftsgefühl geschaffen. Das ist schon erstaunlich, was so eine konkret formulierte und visualisierte Zielsetzung erreichen kann.

Aber auch der Ortswechsel ins Impact-Hub hat dazu geführt, die richtigen Kund*innen zu erreichen.

 

Was hat sich seit eurer Neuausrichtung für dich persönlich geändert?

Der größte Unterschied ist, dass mich meine Arbeit wieder zufriedenstellt, ich abends nach Hause komme und weiß, dass ich heute etwas Sinnvolles getan habe. Mittlerweile kann ich mir unseren Erfolg eingestehen und sehe, dass es in Ordnung ist, wenn wir Erfolg haben, solange wir mit unserer Tätigkeit die Dinge in die richtige Richtung lenken.

 

Glaubst du, eine solche Neuausrichtung könnte in jedem Unternehmen gelingen?

Ich denke bei vielen Unternehmen gibt es einiges an Spielraum, der genutzt werden könnte, um für eine lebenswerte Zukunft zu arbeiten. Dass es sich für jeden Betrieb lohnen würde, einer verstärkten Sinnorientierung nachzugehen, davon bin ich überzeugt. Die in Großkonzernen verbreitete Art, ständig von den Aktieneigner*innen zu mehr Rendite getrieben zu werden, frustriert die Mitarbeitenden auf Dauer wahnsinnig. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass es jemandem Spaß macht, schlechtere Produkte zu produzieren, nur um mehr Rendite zu erzielen, auch den Chefs der Unternehmen nicht. Man hat sich nur daran gewöhnt, obwohl es völlig absurd ist.

Bei kleineren Unternehmen sind die Entscheidungsträger*innen häufig so in das Tagesgeschäft eingebunden, dass kaum Zeit bleibt, sich Gedanken zur Vision und der Ausrichtung des Unternehmens zu machen. Ich kann da nur jeden und jede animieren, zurückzutreten und sich Gedanken über die Zukunft zu machen.

Insgesamt glaube ich zu spüren, dass da gerade viel in Bewegung gesetzt wird und wenn dem so ist, kann sich in den nächsten Jahren viel ändern, zumindest hoffe ich das sehr.

 

Über die Person:

Lars Schönbörner, Jahrgang 1976, ist Mitinhaber der Agentur MAJORMAJOR Design Co. mit Sitz in Stuttgart. Seit 2003 ist er selbständig und im Unternehmen zuständig für Strategie und Beratung. Außerdem ist er überzeugter Anhänger der Gemeinwohlökonomie und lässt sich derzeit zum Gemeinwohlberater ausbilden.

ageff – Das eigenverantwortliche, „cheflose“ Unternehmen – Das ZUK Team begleitet den Wandel

Im September 2020 hat sich das Team der ageff GmbH in Freiburg auf den Weg gemacht, ein eigenverantwortliches, „chefloses“ Unternehmen zu werden. Wir vom ZUK Team haben sie ein Stück weit begleitet. Vom Visionsworkshop gibt es hier ein kleines Video.

Schnappschuss aus dem Visionsworkshop am 23. September 2020 in Freiburg.
Ein Inhaber will sein Unternehmen an die Mitarbeitenden übergeben. Wie kann das gelingen?

Markus Franz war schon immer von Mitbestimmung und Eigenverantwortung überzeugt. Um sein Team für seine Vision zu gewinnen, haben wir einen eintägigen Workshop organisiert. Dazu hier ein kleines Video. Danke an Smart-Film-Media für die tolle Produktion!

Warum will der Inhaber sein Unternehmen abgeben?

Der ageff-Geschäftsführer Markus Franz begann 2009 als selbständiger Solartechniker. 2016 gründete er die ageff GmbH mit zwei Mitarbeitern. Heute sind es 15 Mitarbeiter*innen, der Umsatz wuchs jedes Jahr in zweistelligen Prozentzahlen. Statt aber einfach immer weiter zu wachsen liegt es Markus Franz am Herzen, ein stabiles Unternehmen mit glücklichen Mitarbeitenden zu erhalten. Hier sollte keiner über dem Anderen stehen und keiner erheblich mehr Last oder Verantwortung als der Andere tragen. Das ist die Vision eines zukunftsfähigen Unternehmen von Markus Franz.

Was hat das ZUK Team hier geleistet?

Der Wandel vom inhaber- zum mitarbeitergeführten Unternehmen ist ein radikaler Schritt. Ohne externe Hilfe fällt es schwer, so eine Reise zu beginnen. Und von oben herab funktioniert es schon gar nicht.

Markus Franz hatte bereits im Sommer 2020 mit Dirk Lenz über seinen Traum gesprochen. Thomas Zimmermann hat gemeinsam mit Dirk Lenz die Visionsentwicklung bei Markus Franz unterstützt und hat den Visionsworkshop für September 2020 konzipiert und gemeinsam mit Dirk Lenz moderiert. An diesem Tag wurde die generelle Bereitschaft des ageff Teams erfragt – und bestätigt. Das ZUK Team hat im Anschluss dem gesamten ageff-Team einen iterativen Entwicklungsplan für die Veränderung zum eigenverantwortlichen Unternehmen vorgestellt.

Wie geht es weiter?

Das Besondere an diesem Veränderungsprozess ist, dass die Entscheidung ganz bei den Mitarbeitenden liegt. Wie schnell, in welchem Umfang – das entscheiden weder der Chef noch wir als externe Organisationsentwickler.

Das ageff Team hat sich für einen „Testmonat“ Mitte 2021 entschieden. In diesem Zeitraum wird der Chef abwesend sein und das Team kann eigenverantwortliche Betriebsführung erproben. Danach reflektieren wir, wie es lief und welche Verantwortungsbereiche noch konkret verteilt werden müssen.

Kann das in unserem Unternehmen auch klappen?

Wenn die Geschäftsführung eine klare Vision hat, dann ist die Grundlage gelegt. Dabei, und bei der Begleitung der Belegschaft, bieten wir vom ZUK Team als externe Organisationsentwickler gerne unsere Unterstützung. Ob 5 oder 500 Mitarbeitende, ob Solartechnik oder Wohnungsbau. Sprechen Sie uns gerne an für ein kostenloses Erstgespräch: thomas.zimmermann@swapwork.de

 

Ohne Chefin, ohne Chef. Arbeiten frei von Hierarchien – Ein Interview mit Rainer Brühl von den Radgebern.

Die 1980 gegründete Selbsthilfewerkstatt für Fahrradreparaturen in der Habsburgerstraße ist mittlerweile Kult in Freiburg. Sie wird geführt von einem 16-köpfigen Team und umfasst die Ladengeschäfte „die Radgeber“ und „der Tandemladen“. Dass es sich bei dem kleinen Betrieb nicht um ein gewöhnliches Fahrradunternehmen handelt, wissen die Wenigsten. Wir haben uns Anfang November mit Rainer Brühl, dem langjährigsten Mitarbeiter des Teams zu einem Interview getroffen, um mit ihm über ein ganz besonderes Konzept des Arbeitens zu sprechen.

©Tobias Rieker

Hallo Rainer. Kannst du uns kurz erklären, warum ihr keine gewöhnliche Fahrradwerkstatt seid?

Was uns am stärksten von anderen Läden unterscheidet ist, dass wir keinen Chef und keine Chefin haben. Alle Abläufe und Entscheidungen werden als Team gemeinschaftlich angegangen und getroffen, wobei jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter gleichberechtigt ist. Auch wenn ich schon am längsten dabei bin, bin ich nicht wichtiger oder habe mehr zu sagen, als jemand der erst letztes Jahr bei uns angefangen hat.

Einen weiterer Unterschied ist unsere offene Werkstatt. Hier kann jeder und jede sein Fahrrad unter Anleitung einer unserer Mitarbeitenden selbst reparieren. Man bezahlt lediglich für die Nutzung der Werkstatt pro Stunde und Person 3€, sowie für Ersatzteile.

Seid ihr mit diesem Konzept von Anfang an gestartet oder entwickelte es sich erst über die Jahre hinweg?

Es hat sich mit der Zeit entwickelt. Die Selbsthilfewerkstatt wurde 1980 von Studierenden der Sozialen Arbeit als soziales Projekt gegründet. Als ich 8 Jahre später dazugekommen bin, wurde die Werkstatt ehrenamtlich geführt und mein damalige Kollege Manfred suchte jemanden, der ihm hilft aus dem Ehrenamt einen Beruf zu machen. Somit haben wir erstmals 1.500 DM in Ersatzteile investiert und gehofft, dass das Ganze funktioniert. Im Prinzip haben wir den Laden deshalb auf die Beine stellen können, weil wir zu Beginn bereit waren für wenig Geld zu arbeiten. Somit mussten wir auch keinen Kredit aufnehmen, sondern konnten das Geschäft ganz langsam wachsen lassen.

 

„Ich sehe es als Profit an, wenn alle unsere Arbeitsplätze finanziert sind und wir von unserer Arbeit leben können.“

 

Es gab damals noch nicht die explizite Idee gemeinschaftlich zu arbeiten, aber mir war bereits klar, dass ich lieber auf einer Ebene mit Menschen zusammen arbeiten möchte und mich nicht als Chef darstellen muss, der ansagt was es zu tun gibt.

Das heißt von Anfang an war es das Ziel der Werkstatt sich selbst zu erhalten und nicht das Erwirtschaften von Profit?

Ich sehe es als Profit an, wenn alle unsere Arbeitsplätze finanziert sind und wir von unserer Arbeit leben können. Darüber hinaus müssen wir jetzt keine hohen Summen generieren. Schön ist es natürlich, wenn es mit der Zeit besser läuft oder wir mehr Leute bezahlen können. Vielleicht ist das der Unterschied zu einem klassischen Betrieb, in dem der Chef oder die Chefin die Angestellten als Kosten betrachten und alles was darüber hinaus übrig bleibt als Profit. Da sieht man es dann nicht unbedingt als Qualität an, wenn man einigen Menschen Arbeit bieten kann, sondern man braucht darüber hinaus etwas, um das Geschäft als rentabel zu betrachten.

Die Selbsthilfewerkstatt in der Habsburger Straße. Foto: ©Tobias Rieker

Welche Hürden sind mit der Zeit entstanden? Gab es vielleicht mal den Punkt an dem ihr Zweifel hattet, dass sich das Projekt selbst erhält?

Die Hürden waren weniger finanzieller als menschlicher Art. Wenn du gleichberechtigt miteinander arbeitest bist du manchmal selbst dein größter Gegner. Man muss erst einmal lernen, dass nicht alles was man sich wünscht später auch so passiert. Zu akzeptieren, dass die eigenen Ideen, auch wenn man sie selbst für sehr gut hält, nicht umgesetzt oder abgelehnt werden, ist für viele am Anfang schwierig. Gerade in den ersten Jahren hatten wir ein bis zwei Punkte an denen das ganze Projekt hätte sterben können, weil die persönlichen Differenzen und die Kommunikationsstruktur so gestört wurden, dass es fast unmöglich wurde zusammen zu arbeiten. Mittlerweile haben wir viel dazu gelernt und auch Strukturen entwickelt, die es Neueinsteigern viel einfacher machen reinzukommen.

Das heißt die Entscheidungsfindung und der gesamte Prozess dabei gestaltet sich eher schwieriger in einem gleichberechtigten Team als wenn sie von einem Chef/ einer Chefin gefällt werden?

Ich würde sagen anspruchsvoller. Wobei die andere Seite ja auch nicht einfach ist. Im besten Fall würde ein guter Chef oder eine gute Chefin die Meinung der Mitarbeitenden in die Entscheidungsfindung auch mit einbeziehen. Die Kunst bei uns ist es eine Gesprächskultur aufzubauen, die es uns ermöglicht auch ohne Hierarchien arbeits- und handlungsfähig zu bleiben. Was sich hierfür als sehr wichtig herausgestellt hat, ist bei Entscheidungen nicht nur mit Ja oder Nein abzustimmen sondern Abstufungen vorzunehmen und nochmal genauer Nachzuhören, ob es sich jetzt um ein starkes oder ein schwaches Nein handelt. Somit lassen sich Kompromisse einfacher erreichen und wir blockieren uns weniger.

 

„Zu akzeptieren, dass die eigenen Ideen, auch wenn man sie selbst für sehr gut hält, nicht umgesetzt oder abgelehnt werden, ist für viele am Anfang schwierig.“

 

Würdet ihr denn mehr Umsatz erzielen wenn ihr anders arbeiten würdet?

Ganz bestimmt. Im Gegensatz zu klassischen Fahrradläden stellen wir keine Saisonkräfte ein, sondern tragen unsere Mitarbeitenden über das ganze Jahr hinweg. Dadurch können wir natürlich weniger flexibel auf Phasen reagieren in denen mal mehr mal weniger los ist, aber mit Saisonkräften würde unser Konzept eines gleichberechtigten Teams nicht funktionieren. Außerdem sind auch nicht alle Arbeitskräfte in Vollzeit angestellt, was die häufiger wechselnden Abläufe auch ineffizienter macht.

Warum lohnt sich euer Konzept dennoch bzw. was macht deine Arbeit so zufriedenstellend?

Ich verdiene zwar nicht wahnsinnig viel, aber ich habe eine Arbeitsplatzsituation und ein Team das alles andere als selbstverständlich ist und was auch nicht in Geld aufzuwiegen ist. Ich genieße diese Umgebung des selbstverwaltenden Arbeitens sehr und sehe es als großen Luxus an, dass ich mir das bisher schon so lange leisten konnte und es funktioniert. Außerdem können wir als Team sehr flexibel auf persönliche Probleme der Mitarbeitenden reagieren. Falls mal die Kinder krank sind oder jemand Sorge hat, sich bei der Arbeit mit Corona zu infizieren, ist das Team sehr schnell bereit einzuspringen und den- oder diejenige mitzutragen. Das ist etwas sehr wertvolles was so auch nicht an jedem Arbeitsplatz gegeben ist.

©Tobias Rieker

Wie sieht die finanzielle Beteiligung der Mitarbeitenden bei euch aus?

Unser Jahresgewinn wird unter allen Mitarbeitenden, die mindestens seit einem Jahr eingestellt sind, entsprechend der geleisteten Arbeitsstunden aufgeteilt. Abgesehen davon erhält jede und jeder von uns denselben Stundenlohn, egal ob man schon seit 30 Jahren dabei ist oder erst seit letzter Woche.

 

 

 

Wie wirkt sich aktuell die Corona-Krise auf euer Geschäft aus und inwiefern musstet ihr euch anpassen?

Wirtschaftlich gesehen hatten wir, wie viele Fahrradläden, durch die Krise bisher keine Nachteile, da viele Menschen das Radfahren wieder für sich entdeckt haben oder die Zeit genutzt haben, ihre Fahrräder mal wieder reparieren zu lassen. Allerdings mussten wir uns, aufgrund der Kontaktbeschränkung in kleinere und feste Teams aufteilen. Das ist natürlich ungesund für das Team wenn man nicht mehr alle regelmäßig sieht. Aktuell arbeite ich mit 5 Leuten fest zusammen und sehe die Anderen nur hin und wieder aus der Ferne, was sehr schade ist.

Verfolgt ihr denn eine bestimmte Strategie als Betrieb, wie beispielsweise Erhaltung, Stabilität, Wachstum?

Die Frage nach Wachstum ist bei uns gerade ein großes Thema, da uns in unserem Laden in der Innenstadt zwei Häuser weiter leerstehende Ladenräume angeboten wurden. Das würde uns zwar sehr entlasten, aber es ist auch klar, dass wir unser Team vergrößern müssten, was natürlich die Frage aufwirft, ob unser Konzept des gleichberechtigten Arbeitens auch bei einer größeren Gruppe funktionieren würde. Ich bin da optimistisch. Vor 15 Jahren sind wir noch davon ausgegangen, dass es nur mit maximal 10 Leuten klappen kann, heute sind wir 16 und es funktioniert immer noch. Mittlerweile glaube ich, dass es eher von den Persönlichkeiten und den Methodiken der Entscheidungsfindung abhängt und nicht von der Gruppengröße an sich.

Bei der Strategie ist es eine Gratwanderung: generell sind wir eher auf Stabilität und Erhaltung bedacht, allerdings ist Stillstand für ein Ladengeschäft fast nicht möglich, da alle laufenden Kosten stetig steigen. Auch würden wir als Team gerne in Zukunft mehr verdienen, aber wir sind nicht bereit uns dafür zu verbiegen oder von unserem Konzept abzuweichen. Von daher ist die Frage bisher für uns noch nicht abschließend beantwortet.

 

Wie überlebt die Gastronomie die Corona-Krise? – Bericht vom 6. ZUK Online Treffen

Am 1. Oktober trafen sich vier leidenschaftliche Gastronomen aus Freiburg mit uns vom ZUK Team um sich zur aktuellen Krisen-Situation auszutauschen. Dabei ging es um die Themen Überbrückungshilfen, Raumluftreinigung und die Erweiterung der Außenflächen.

Quelle: Twitter @sbamueller post vom 28.6.2020

Am Treffen teilgenommen haben Sascha von der Blume, Eric vom Panoramahotel, Jörg vom Schlossbergrestaurant Dattler und Tobias vom Café Einstein

Was besprochen wurde im Überblick:

  • Wie gut funktioniert die Kontaktnachverfolgung? Sind digitale Tools zu empfehlen?
  • Wie sorgt man für einen effektiven Austausch der Raumluft in Innenräumen? Lohnt sich die Anschaffung von Luftfiltern? Darüber haben sich die Teilnehmer ausgetauscht.
  • Die Mehrwertsteuersenkung ist die beste politische Soforthilfe für die Gastronomie aufgrund der einfachen und wirksamen Umsetzung. Da die Gastronomie noch weit bis ins Jahr 2021 von der Corona Krise betroffen sein wird, hoffen alle Anwesenden auf eine Verlängerung der Maßnahme über den 31. Dezember 2020 hinaus. 
  • Die Erweiterung der Außenflächen haben Gastronomien quer durch die Stadt sehr geholfen, sind allerdings nur bis zum 31. Oktober geplant. Wie kann eine Verlängerung dieser Frist erreicht werden und wie können Außenflächen auch im Winter effektiv genutzt werden?

Wie läuft es in der Gastronomie seit der Corona Krise?

Nach den anfänglichen Hürden konnten viele Restaurantbetreiber*innen im Sommer einen guten Umsatz verzeichnen, durch eine kauffreudige Kundschaft, die erweiterten Außenflächen und effektiven, politischen Maßnahmen wie der Mehrwertsteuersenkung. Auf die kalten Wintermonate schauen die GastronomInnen allerdings mit gemischten Gefühlen. 

Was wird sich im Winter ändern?

Durch die wegfallenden Sitzplätze aufgrund der Abstandsregeln wird es für einige Betriebe schwierig werden den nötigen Umsatz zu erzielen. Teilnehmende aus unserer Runde hatten jedoch auch festgestellt, dass viele Gäste kürzer im Restaurant/Café verweilen und Außenflächen auch bei kalten Temperaturen gerne genutzt werden so lange es nicht regnet oder windet. 

Für Restaurants bietet sich die Möglichkeit Reservierungen für Tische zeitlich zu begrenzen um einen höheren Durchlauf zu erreichen. Außenflächen können mit Decken ausgestattet und heiße Getränke angeboten werden. Bei allen Maßnahmen gilt eine gute Kommunikation zu den Gästen aufrecht zu halten. Viele zeigen sich in den meisten Fällen verständnisvoll, wie unsere Runde berichtet. 

Abstands- und Hygieneregeln müssen eingehalten werden 

Mit Sorge stellten einige Teilnehmer unserer Runde fest, dass die nötigen Abstandsregeln in einigen Cafés und Bars nicht eingehalten werden. Gerade an Wochenenden konnte man eine belebte Innenstadt mit voll ausgelasteten Gaststätten beobachten. Kontrollen von Seiten der Behörden wurden in den letzten Wochen seltener. Jedoch wird es gerade im Winter entscheidend sein, dass alle Gastronomien sich an die Abstands- und Hygieneregeln halten, da ein möglicher Ausbruch in einer Gaststätte schwere Folgen für die gesamte Gastronomie haben könnte. Viele Betriebe würden einen zweiten Lockdown womöglich nicht verkraften. Daher möchten wir hier noch einmal appelieren, die nötigen Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Gesundheit einzuhalten. 

Hierzu gehört auch die Gäste zum konsequenten Maskentragen abseits des Sitzplatzes aufzufordern. Nur so kann eine Ärosolverbreitung Auf Toiletten und in Eingängen minimiert werden.

Aktuelle Informationen zu den derzeit geltenden Beschränkungen sind auf der Dehoga Website unter folgendem Link zu finden:  

 

Wichtiges Thema Luftaustausch

Zu den bestehenden Regeln wird nun im Winter ein regelmäßiges Lüften entscheidend sein. Mindestens einmal pro Stunde sollte versucht werden, die Raumluft komplett auszutauschen. Wichtig ist ein Konzept an die Mitarbeitenden heranzutragen und dieses auch konsequent umzusetzen. Empfehlenswert ist es hierbei eine gute Kommunikation mit den Gästen beizubehalten und diese eventuell zu bitten, sich Jacken anzuziehen, wenn es die nächsten 5-10 Minuten kalt wird im Innenraum. 

Viele GastronomInnen haben sich womöglich bereits die Frage gestellt  in Raumluftfilter zu investieren. Jörg hatte sich zu dem Thema bereits mit der Firma Sentinel Haus ausgetauscht, welche als lokale Experten im Bereich Schadstoffe in der Luft gelten. Luftreiniger Geräte sind in der Regel für Räume mit geringem Personenverkehr gedacht und ihre Effektivität in der Gastronomie wird auch von Expertenseite angezweifelt. Es gibt noch keine Belege, dass bestimmte Geräte zuverlässig Coronaviren und virenbehaftete Ärosole aus der Luft filtern können. Daher bleibt das regelmäßige Durchlüften die einzig probate Methode um die Gesundheit der Gäste zu sichern. Von der Anschaffung teurer Geräte ohne eine verlässlich nachweisbare Effektivität raten wir ab. 

Überbrückungshilfen

Die Stabilisierungshilfe Corona für das Hotel- und Gaststättengewerbe wurde nun verlängert und kann künftig noch bis zum 20. November beantragt werden. Weitere Infos findet ihr hier:

https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/stabilisierungshilfe-fuer-hotel-und-gaststaetten-gewerbe-wird-verlaengert/

Die Mehrwertsteuer auf Speisen soll ab dem 1. Januar 2021 von 5% auf 7% erhöht werden.

 

Wie geht es weiter?

Einen Folgetermin für unser Treffen wird es vorerst nicht mehr geben. Bei Fragen, Anregungen oder Wünschen zur Gastronomie in Freiburg könnt ihr euch jederzeit gerne an uns wenden. 

Wir hoffen, dass alle gut und gesund durch den Winter kommen und wünschen euch weiterhin gutes Gelingen!

Roman vom ZUK Team

ZUK Gastronomie Logo

Wie überlebt die Gastronomie die Corona-Krise? – Bericht vom 6. ZUK Online Treffen

Am 15. Juli trafen sich erneut sechs leidenschaftliche Gastronom*innen aus Freiburg mit uns vom ZUK Team um sich zur aktuellen Krisen-Situation auszutauschen. Dabei wurden persönliche Erfahrungen der letzten Wochen geteilt und praktische Tipps zu Systemen gegeben, die den Ablauf der Betriebe erleichtern können.

Zum Termin erschienen die unterschiedlichsten Akteure aus der Freiburger Gastro-Szene: Bettina vom Kartoffelhaus (Restaurant), Linda vom Légère (Restaurant), Sascha von der Blume (Restaurant) und Blümchen (Eisdiele), Gesine von der Küchenschelle (Restaurant), Eric vom Panoramahotel (Restaurant und Hotel) und Jörg vom Schlossbergrestaurant Dattler

Was besprochen wurde im Überblick:

  • Bettina hat uns neue Mehrweg To-Go Boxen vorgestellt, die bereits im Kartoffelhaus und drei weiteren Freiburger Restaurants verwendet werden. Mehr Infos hierzu findet ihr weiter unten. 
  • Viele Betriebe haben ihr Tagesgeschäft umgestellt und auf die aktuelle Corona Situation angepasst. 
  • Was sind die größten Herausforderungen und wie gehen wir damit um? Darüber haben sich die Teilnehmer*Innen im Zweiergespräch ausgetauscht. 
  • Welche Online Bezahlungs- und Reservierungssysteme werden genutzt und und was sind die Vor- und Nachteile. 
  • Wie können die Gastronom*Innen mit der generellen Unplanbarkeit der aktuellen Situation am besten umgehen?

Wie läuft es in der Gastronomie seit der Corona Krise?

 Die Gäste haben vermehrt wieder den Weg in die Gastronomien gefunden. Allerdings mussten einige Betreiber*Innen ihren Betrieb umstellen, da beispielsweise Veranstaltungen in letzter Zeit nicht durchführbar waren. Somit wurde der Fokus verstärkt auf das à la carte Geschäft gelegt. Außenflächen werden nun vermehrt genutzt, jedoch noch im beschränktem Ausmaße aufgrund der Abstandsregelungen. Eine der größten Herausforderungen ist und bleibt die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter*Innen bei geringerem Betrieb als im Vorjahr.

 

 VYTAL Mehrwegsysteme für Restaurants:

Eine nachhaltige Möglichkeit dem Verpackungsmüll durch das zunehmende To-Go Geschäft während der Corona-Zeit entgegenzuwirken bietet das Pfand Konzept für To-Go Boxen des Anbieters VYTAL. Die praktischen Boxen können Nutzer*Innen gegen eine Pfandgebühr bei teilnehmenden Restaurants abholen und wieder zurückbringen. Die Entrichtung der Gebühr funktioniert über eine App, Informationen zur Nutzung werden vom Anbieter über Broschüren an die Kunden vermittelt. Weitere Informationen, sowie ein Kontaktformular zur Anmeldung findet ihr auf der Website des Anbieters:

VYTAL Mehrwegsystem

Hoffentlich können wir in Zukunft leckere Speisen aus allerlei Restaurants zum Mitnehmen genießen, ohne ständig To-Go Boxen wegschmeißen zu müssen.  

Online Systeme für die Gastronomie

Die Teilnehmer*Innen unserer Runde konnten über verschiedene Bezahl- und Reservierungssysteme berichten. Hier ein kleiner Überblick:
  • Sascha empfiehlt das System Gastronovi als Komplettlösung. Hiermit können sowohl Online Tischreservierungen durchgeführt, als auch über die eigene Website Gutscheine generiert werden. Außerdem wird auch ein Kassen- und Bestellsystem mit angeboten. 
  • Gesine nutzt das Reservierungssystem Resmio. Hierbei kann die praktische Wetterfunktion Tische im Außenbereich nur bei gutem Wetter vergeben bzw. die Reservierung wieder aufheben, falls sich die Wettervorhersage ändert. 
  • Generell waren sich die Gastronom*Innen einig, dass in Zukunft das bargeldlose Bezahlen an Bedeutung gewinnt und eventuell die Bargeldzahlung in der Gastronomie komplett ersetzt. Daher ist es ratsam, rechtzeitig gute und verlässliche Bezahlsysteme einzurichten. 

Wie geht es weiter?

Folgetermin: Am Montag den 31. August findet das nächste Online Treffen statt – wir hoffen bis dahin den Kreis der Teilnehmenden mit Hilfe des DEHOGA Newsletters erweitern zu können und einen fruchtbaren Austausch der Freiburger Gastroszene zu bieten. 

 

Vielen Dank an alle Teilnehmer*innen und gutes Gelingen!
Roman vom ZUK Team

ZUK Gastronomie Logo